Show Less
Restricted access

Exil – Transfer – Gedächtnis / Exil – Transfert – Mémoire

Deutsch-französische Blickwechsel / Regards croisés franco-allemands

Edited By Marion Picker and Dorothee Kimmich

Die Beiträge dieses Bandes verbindet die Überzeugung, dass die deutsch-französischen Verhältnisse nicht in Begriffen wie Identität und Differenz abgehandelt werden können. Ihre Analysen zeigen, wie sich das Exil in eine begrüßte Lebensform verwandeln, mit Mobilität verschwimmen und sogar Verbrecher schützen kann. Anstatt mit «Transfer» ökonomische Tauschprozesse zu beschreiben, betonen sie Komponenten von transkulturellen Übertragungen wie Schwellenbewusstsein und Zeugenschaft.
Die von Marion Picker und Dorothee Kimmich versammelten Beiträge ehren den deutsch-französischen Germanisten Thomas Keller. Dorothee Kimmich und Thomas Keller haben gemeinsam den Studiengang Interkulturelle Deutsch-Französische Studien (Aix-en-Provence – Tübingen) betreut.
Une commune conviction unit les dix-sept contributions ici présentées : refuser d’appréhender les interactions franco-allemandes en termes d'identité et de différence. Leurs analyses montrent comment l'exil peut se transformer en mode de vie apprécié, transiter vers la mobilité, et assurer l’asile, non seulement aux réfugiés mais aux fugitifs en général. Elles s’attachent aux transmissions transculturelles asymétriques en valorisant le seuil, le garant et le déplacement. De la fécondité de la distance. Les contributions de ce recueil, rassemblées par Marion Picker et Dorothee Kimmich, honorent les travaux du germaniste franco-allemand Thomas Keller, qui a dirigé avec celle-ci le cursus intégré « Aire Interculturelle Franco-Allemande » (Aix-en-Provence – Tübingen).
Show Summary Details
Restricted access

Einleitung: Exil – Transfer – Gedächtnis

Extract



Elend. Land ohne Band, neues Land, ohne Hauch der Erinnerung, mit dem Rauch von fremdem Herd. Zügellos! wo mich trug keiner Mutter Schoß.

1914

Paul Klee1

Paul Klees Gedicht zeigt, wie innig Exil, Übertragung und Gedächtnis miteinander verwoben sind. Für Klee war 1914 sowohl das Jahr der Tunesienfahrt mit August Macke und dem Schweizer Künstler Louis Moilliet – eine künstlerische Initiationsreise unter Freunden –, als auch das Jahr, in dem Macke bei Souain fiel. Das „Elend“, in dem die Idee des Exils ausbuchstabiert wird, mit dem es auch etymologisch zusammenhängt, zeichnet sich vor allem durch Abwesenheit aus – die Abwesenheit von Bindungen, von lebendigem Gedächtnis, von Herkunft und Eigenem. Das „neue[…] Land“ des Exils ist ein Nicht-Ort, ein unmöglicher Ort, insofern es keinen Ort und kein Territorium bezeichnet, sondern nur eine unbegrenzte Frist eines unhaltbaren Zustands, der mit einer in sich gekehrten Normalität konfrontiert wird: „Wo“ das Exil des einen sich befindet, ist zugleich der heimische Herd eines ungenannten anderen. Dieser ist zwar mit Fremdem assoziiert, das aber nur aus der Perspektive des lyrischen Ichs, welches aus diesem Kontrast von „mit“ und „ohne“ keinen eigenen Ort gewinnen kann – es sei denn, das Gedicht selbst gewährt das Exil, die elende Frist, in der sich noch etwas sagen lässt.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.