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Exil – Transfer – Gedächtnis / Exil – Transfert – Mémoire

Deutsch-französische Blickwechsel / Regards croisés franco-allemands

Marion Picker and Dorothee Kimmich

Die Beiträge dieses Bandes verbindet die Überzeugung, dass die deutsch-französischen Verhältnisse nicht in Begriffen wie Identität und Differenz abgehandelt werden können. Ihre Analysen zeigen, wie sich das Exil in eine begrüßte Lebensform verwandeln, mit Mobilität verschwimmen und sogar Verbrecher schützen kann. Anstatt mit «Transfer» ökonomische Tauschprozesse zu beschreiben, betonen sie Komponenten von transkulturellen Übertragungen wie Schwellenbewusstsein und Zeugenschaft.
Die von Marion Picker und Dorothee Kimmich versammelten Beiträge ehren den deutsch-französischen Germanisten Thomas Keller. Dorothee Kimmich und Thomas Keller haben gemeinsam den Studiengang Interkulturelle Deutsch-Französische Studien (Aix-en-Provence – Tübingen) betreut.
Une commune conviction unit les dix-sept contributions ici présentées : refuser d’appréhender les interactions franco-allemandes en termes d'identité et de différence. Leurs analyses montrent comment l'exil peut se transformer en mode de vie apprécié, transiter vers la mobilité, et assurer l’asile, non seulement aux réfugiés mais aux fugitifs en général. Elles s’attachent aux transmissions transculturelles asymétriques en valorisant le seuil, le garant et le déplacement. De la fécondité de la distance. Les contributions de ce recueil, rassemblées par Marion Picker et Dorothee Kimmich, honorent les travaux du germaniste franco-allemand Thomas Keller, qui a dirigé avec celle-ci le cursus intégré « Aire Interculturelle Franco-Allemande » (Aix-en-Provence – Tübingen).
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Geteiltes Schicksal, getrennte Erinnerung. Die Evakuierungen an der deutsch-französischen Grenze 1939/40

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Noch ehe der Zweite Weltkrieg offiziell erklärt war, mussten hunderttausende Zivilisten in ganz Westeuropa ihre Häuser und Wohnungen verlassen. In den ersten Septembertagen 1939 wurden etwa anderthalb Millionen Kinder, junge Mütter sowie kranke, behinderte und gebrechliche Menschen aus den luftkriegsgefährdeten Ballungsräumen in Großbritannien evakuiert.2 Auch in Paris bestiegen Kinder und Frauen Sonderzüge, um sich in Sicherheit zu bringen. Viele Kinder kehrten gar nicht erst aus den Ferienkolonien in die Städte zurück.3 In Deutschland wurde die 1934 eingeführte Kinderlandverschickung zu einem flächendeckenden Evakuierungsprogramm ausgeweitet.4 Doch auch das Gebiet zwischen Maginot-Linie und Westwall wurde im September 1939 fast vollständig von Zivilisten geräumt. Mehr als 600 000 Elsässer und Lothringer wurden aus der sogenannten zone rouge in den Südwesten Frankreichs gebracht. Mindestens ebenso viele, womöglich sogar deutlich mehr Saarländer, Pfälzer und Badener wurden aus einem gleichfalls als „rote Zone“ bezeichneten Gebiet ins Landesinnere evakuiert. Großstädte wie Straßburg und Saarbrücken waren schon vor Beginn der ersten Gefechte an der Westfront menschenleer. Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in den evakuierten Regionen kam zum Erliegen. Im Gegensatz zu den Einwohnern der zunächst ← 181 | 182 → von Luftangriffen verschonten Ballungszentren mussten die Evakuierten aus den Grenzgebieten vorerst in den Aufnahmeorten bleiben und ihr Leben dort neu organisieren. Die meisten konnten erst im Sommer und Herbst 1940 zurückkehren. Oft waren ihre Wohnungen und Häuser durch feindlichen Beschuss, Plünderung und Witterung...

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