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Gesellschaftskritik in Wilhelm Genazinos Roman «Das Glück in glücksfernen Zeiten»

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Matthias Hoffmann

In Wilhelm Genazinos Roman Das Glück in glücksfernen Zeiten wird nichts Geringeres verhandelt als die existenzielle Suche des Protagonisten nach einem sinnvollen Leben. Matthias Hoffmann untersucht das Buch als kritischen Gegenwartsroman und verbindet die Lektüre mit subjektphilosophischen und poetologischen Aspekten. Die entscheidende Frage dabei ist: Wie wollen wir in Zukunft leben? Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen und Entwicklungen fehlen dabei ebenso wenig wie Elemente aus verschiedenen theoretischen Positionen. Zu diesen zählen u. a.: Stéphane Hessel, Michel Foucault, Oskar Negt, Martin Heidegger und Slavoj Žižek.
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V. Das Subjekt in der Arbeits- und Konsumwelt

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V.1 Die Paradoxie der Konsumtionsidentität

Um nun das Subjektmodell anhand Gerhard Warlichs weiter zu analysieren, sollen bestimmte Zusammenhänge und Situationen durchdekliniert werden, in denen sich das Subjekt in der Alltäglichkeit erfährt bzw. in die es eingebettet ist. Der Konsum373 ist dabei zweifellos ein unhintergehbarer Bestandteil der Gesellschaft geworden, der ein stetiges Begehren aufrechterhält. So heißt es bei Wilhelm Genazino in Von der Bruchbudenhaftigkeit des Schönen: „Es zeichnet sich ab, dass der Kommerz der finale Antrieb der westlichen Zivilisation bleiben wird.“374 Es stellt sich nun die Frage, wie dieser Konsum in Das Glück in glücksfernen Zeiten dargestellt wird und welche Implikationen für das Subjekt und die Identität diesem inhärent sind. Schon die bereits zitierte Einstiegspassage aus Das Glück in glücksfernen Zeiten, als Gerhard nach neun Stunden Arbeit das Straßencafé aufsucht, zeigen sich die Goldränder einer Leistungsgesellschaft, die sich nach der Arbeit wiederum dem Konsum hingibt, um zu entspannen. Dieses Phänomen ist nicht ein singuläres, sondern eine Art Mode geworden, da darauf hingewiesen wird, dass das Café wie üblich überfüllt ist.375 Schon anhand der Kleidung der jungen Kellner wird die Konsumstruktur aufgezeigt, die ein stetiges Angebot offeriert: „Auf dem Rücken ihrer uniformartigen Kluft ist zu lesen, was man bei ihnen bestellen kann: Latte macchiato, Café con leche, Tonic, Bitter Lemon, Espresso lungo und so weiter.“376 Das heißt, man wird sofort mit der Fülle an...

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