Show Less
Restricted access

Gesellschaftskritik in Wilhelm Genazinos Roman «Das Glück in glücksfernen Zeiten»

Series:

Matthias Hoffmann

In Wilhelm Genazinos Roman Das Glück in glücksfernen Zeiten wird nichts Geringeres verhandelt als die existenzielle Suche des Protagonisten nach einem sinnvollen Leben. Matthias Hoffmann untersucht das Buch als kritischen Gegenwartsroman und verbindet die Lektüre mit subjektphilosophischen und poetologischen Aspekten. Die entscheidende Frage dabei ist: Wie wollen wir in Zukunft leben? Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen und Entwicklungen fehlen dabei ebenso wenig wie Elemente aus verschiedenen theoretischen Positionen. Zu diesen zählen u. a.: Stéphane Hessel, Michel Foucault, Oskar Negt, Martin Heidegger und Slavoj Žižek.
Show Summary Details
Restricted access

VII. Poetologische Reflexionen

Extract



In den nun folgenden Überlegungen soll es darum gehen, wie der Roman Das Glück in glücksfernen Zeiten mit den eigenen Reflexionen über Poetik spielt und in welchem Verhältnis dies zu den poetischen Aussagen des Autors Wilhelm Genazino steht. Zunächst soll wieder der Roman in den Vordergrund gerückt werden, da Gerhard Warlich vor seinem psychischen Zusammenbruch überlegt, wie er sein Leben in neue Bahnen lenken kann. Diese Überlegungen kreisen immer wieder um den Findungsprozess adäquater Worte und die Beobachtung von Begebenheiten, die Gerhard Warlich in Blickketten verankert. Als er auf dem Weg zu seiner Wohnung auf seinem Wagendach einen Kuchen sieht, den augenscheinlich jemand dort vergessen hat, findet er es faszinierend, sich zu überlegen, warum der Kuchen dort vergessen wurde. Als er wartet und über die Möglichkeiten nachdenkt, merkt er, dass auch er wiederum von einer Frau beobachtet wird.541

Die Koinzidenz der Ereignisse erregt mich auf gewisse Weise. Ich beobachte einen Kuchendieb und werde selbst des geplanten Obstdiebstahls beargwöhnt, das heißt ich kann mich in dieser Sekunde als Erfinder einer Blickkette fühlen, die unbekannte Ereignisse miteinander verbindet und mich selbst auf unaussprechliche Weise auszeichnet beziehungsweise erhöht beziehungsweise in eine andere Wirklichkeit hineinhebt. Eine Minute lang lebe ich in einer Hochstimmung, die sich meinen Worten entzieht.542

Zunächst ist an dieser Stelle festzuhalten, dass Gerhard Warlich eine Koinzidenz der Ereignisse feststellt, also eine Verbindung im Raum entwirft, die in letzter Konsequenz ein Konstrukt ist, welches...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.