Show Less
Restricted access

Cicero und das Geld

Eva Scheuermann

Im Buch wird die finanzielle Situation Ciceros untersucht, die anhand seines Briefwechsels detailliert nachverfolgt werden kann. Der berühmte Anwalt, Politiker und Literat kämpfte schließlich zeitlebens mit finanziellen Problemen. Diese werden dargelegt, indem die Ausgaben und Einnahmen in verschiedenen Lebensbereichen betrachtet werden. Die Autorin geht folgenden Fragen nach: Wie wirtschaftete Cicero als Hausvater? Inwiefern schloss eine römische Freundschaft auch finanzielle Verpflichtungen mit ein? Und wie korrupt waren römische Politiker im Allgemeinen und Cicero im Speziellen? Die finanziellen Probleme spiegeln das rastlose Leben eines Aufsteigers, der sich den Pflichten eines Lebens in der Öffentlichkeit des antiken Roms stellte.
Show Summary Details
Restricted access

IV. Der amicus: Cicero und seine Freunde

Extract

In der römischen Gesellschaft war die Einbindung in ein soziales Netzwerk ein zentrales Anliegen. Insbesondere mit dem Betreten der politischen Bühne verband sich die Notwendigkeit, ein stabiles Netz an Freunden und Verbündeten zu knüpfen. Diese politischen Freundschaften waren von gegenseitigem Nutzen geprägt. Politikern galt die Freundschaft nicht als emotionale Verbundenheit, sondern als eine Zweckgemeinschaft, die sich in dem Austausch wechselseitiger Dienste manifestierte.546 Cicero selbst versuchte im Spätsommer 44 in seiner Abhandlung Laelius de Amicitia, eine auf Zuneigung beruhende Freundschaft von diesen Zweckbündnissen zu unterscheiden. Aber auch in der auf echter Zuneigung beruhenden Freundschaft sollte das Geben und Nehmen ein Grundelement bleiben. Cicero schrieb:

Bei meinen häufigen Betrachtungen über die Freundschaft scheint mir der Gedanke besonderes Nachdenken zu verdienen, ob die Freundschaft aus einer Schwäche oder aus einer Not heraus erstrebenswert sei, so dass man durch das Geben und das Empfangen von Wohltaten die Dinge, die man von selbst nicht ebenso leicht erlangen könnte, von einem anderen in Empfang nimmt und eine Gegengabe dafür zurückgibt, oder ob das Genannte zwar ein charakteristisches Merkmal der Freundschaft sei, ihr Ursprung aber altehrwürdiger und schöner ist und mehr von der Natur selbst herrührt. Nämlich die Liebe selbst ist es, von der die Freundschaft ihren Namen hat, sie ist die Anstifterin der freundschaftlichen Verbindung.547

Damit grenzt er wahre Freundschaft von politischer Nutzensgemeinschaft ab, die ebenfalls in einem wechselseitigen Gabentausch bestand und eine, wenn auch auf...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.