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Sterben und Tod bei Hochaltrigen

Die Rolle von Persönlichkeit, Gesundheit und Religiosität

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Ortrun Reidick

Die Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit ist eines der großen Menschheitsthemen. Unmittelbar konfrontiert sind damit, statistisch gesehen, insbesondere Menschen über 85 Jahre. Doch wie gehen hochaltrige Personen damit um? Hierzu liegen bislang nur wenige Erkenntnisse vor. Die Autorin stellt zunächst Einstellungen zu Sterben und Tod umfassend aus kulturhistorischer und psychologischer Sicht dar. Anschließend präsentiert sie empirische Ergebnisse einer Studie, in der Hochaltrige erstmalig Einblicke in das Tabuthema gewährten. Welche Zusammenhänge bestehen zu Persönlichkeit, Gesundheit und Religiosität? Der Leser erfährt, wie man sich oder Angehörige im Umgang mit dem Lebensende unterstützen kann. Denn Akzeptanz ist auch im hohen Alter möglich, wie die Studie eindrucksvoll belegt. Dieses Buch wurde mit dem Willi-Abts-Preis 2014 der Albert und Loni Simon Stiftung in Mainz zur Förderung eines selbstbestimmten Lebens im Alter ausgezeichnet.
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1. Einführung und Übersicht

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Beginnend wird die der vorliegenden Arbeit zugrundeliegende (1) Problemstellung erläutert, zu der anschließend tiefergehende Kontextinformationen berichtet werden. Letztere umfassen eine (2) kurze Darstellung der aktuellen globalen und vor allem nationalen demografischen Entwicklung inklusive der Krankheits- und Sterbestatistik in Deutschland, die (3) Einführung des Konzepts des Vierten Lebensalters sowie einen (4) kulturgeschichtlichen Abriss über die Entwicklung des Umgangs mit Sterben und Tod hin zu der heute zu beobachtenden Tabuisierung. Abschließend erfolgt (5) die Darstellung der Thanatospsychologie, also derjenigen wissenschaftlichen Domäne der Psychologie, die sich ausschließlich mit dem Erleben und der Konfrontation unserer Sterblichkeit befasst.

1.1 Problemstellung

Eine der simpelsten und zugleich grundlegendsten Erkenntnisse der Spezies Mensch lautet: Wer geboren wird, wird auch sterben. Das Leben impliziert den Tod, hat diesen unweigerlich zur Konsequenz, auch wenn das Wann, Wie und Wo unauflösliche Unbekannte der Gleichung darstellen, die vor allem durch biologische, soziokulturelle und individuelle Bewältigungsprozesse beeinflusst werden (vgl. Tesch-Römer & Zeman, 2003, S. 829). Das Bewusstsein über unsere Sterblichkeit unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen – sie teilen zwar das Schicksal (oder Glück?) der Endlichkeit, nur der Mensch jedoch kann sein Sterben und seinen Tod antizipieren; ein Wissen, das als Fluch oder Segen gedeutet werden kann. Durch unser Bewusstsein über die Universalität und Endgültigkeit des Todes hat sich die Sterblichkeit als großes Menschheitsthema über alle Epochen und wissenschaftliche Disziplinen hinweg manifestiert. Dabei kann die Auseinandersetzung mit dem Tod naturgemäß immer nur eine spekulative Ann...

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