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Die Freiheit zum radikal Bösen

Das Problem der Fatalismus-These in Reinholds Interpretation zu Kant

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Martin Muransky

Der Formalismus des Wollens besitzt eine intentionale Struktur, da das menschliche Handeln nach Kant nicht dem Streben folgt, sondern einer Stellungnahme («Wie») zu den eigenen Strebungen (Absichten zur Handlung) entspringt. Dieses ungleichgültige «Wie» als Ja/Nein-Stellungnahme zu den eigenen Handlungsmöglichkeiten geschieht nach Kant nicht nach Belieben, da es zugleich um die eigene Selbst-Bezogenheit geht. Der Primat der praktischen Rationalität seit Kant fußt auf der Voraussetzung, dass dieser «Endzweck» als mich betreffender «Gegenstand» ausdrücklich geworden ist. Somit wird die zu machende Bewältigung des Lebens im Ganzen als rationales Ziel des eigenen Wollens anerkannt. Dies steht im direkten Gegensatz zur theoretisch objektivierenden Gewissheit.
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Teil III: Die praktischen Gewissheit und das Böse bei Kant

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Teil III

Die praktische Gewissheit und das Böse bei Kant

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3.1. Der Akt der Freiheit und das Wissen um die Freiheit

Das Hauptergebnis der Kritik der reinen Vernunft, was die Möglichkeit der Metaphysik betrifft, ist Folgendes: Das Ziel der Metaphysik, der Beweis der Existenz von Freiheit, Unsterblichkeit und Gott ist auf dem Wege der theoretischen Philosophie unerreichbar. Die theoretische Philosophie gelangt zugleich zu der Einsicht, dass die Beweise auf dem theoretischen Weg auch nicht widerlegbar sind. Doch bleibt Kant nicht bei dieser These stehen. Er hat die Bedeutung der Metaphysik nicht leer gelassen und versucht zu beweisen, dass die praktische Philosophie das leisten kann, was die theoretische Evidenz nicht leistet. Kurz gesagt: Der neue Ansatz der Begründung der Methaphysik besteht in der These, dass das Wirklichsein des Übersinnlichen auf der Grundlage der Moral zu begründen sei, was eine Revolution insofern bedeutete, als sich die Tradition das Begründungsverhältnis umgekehrt vorgestellt hatte

Der philosophische Ernst dieser Konzeption tritt zutage, sobald man sich bewusst macht, dass der Übergang von der theoretischen zur praktischen Metaphysik vor allem die Frage nach der unterschiedenen Verbindlichkeit der praktischen und theoretischen Urteile zugrunde liegt. Diese seit Kant bewusst reflektierte Frage der verbindlichen Gültigkeit der Normenwelt führt zu einer Gewissheit eigener Art, die 1/von der theoretischen Evidenz grundsätzlich verschieden ist und 2/vor allem mit derselben gar nicht vermischt und verwechselt werden darf. Aufgrund des...

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