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Populäre Geschichtsmagazine in internationaler Perspektive

Interdisziplinäre Zugriffe und ausgewählte Fallbeispiele

Susanne Popp, Jutta Schumann, Fabio Crivellari, Michael Wobring and Claudius Springkart

Seit Jahrhundertbeginn boomt der Markt populärer Geschichtsmagazine in Europa und anderen Weltregionen. Ihre Vielfalt und Auflagenhöhe machen sie zu bislang weithin unterschätzten Agenten der öffentlichen Geschichtskultur und des «Histotainments».
Dieser Band widmet sich dem Phänomen aus geschichtsdidaktischer, medienpsychologischer sowie kultur- und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Darüber hinaus analysieren zehn Länderstudien die Marktbedingungen und die Geschichtspräsentationen auf den Coverseiten von 20 internationalen Magazinen. Von Interesse ist das Buch für Vertreter/-innen der Geschichts-, Politik- und Mediendidaktik, der Kultur- und Kommunikationswissenschaften sowie des (Geschichts-)Journalismus und der Lehrerbildung.
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Alexander S. Khodnev - Populäre Geschichtsmagazine in Russland. Ein Medium im geschichtskulturellen Wandel

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Alexander S. Khodnev

Populäre Geschichtsmagazine in Russland. Ein Medium im geschichtskulturellen Wandel1

In der russischen Öffentlichkeit durchlief „Geschichte“ als Aushandlungsort kollektiver Ansichten und Meinungen von 1990 bis 2000 eine turbulente Phase. Mit der Verkündung der Politik von „Glasnost“ und „Perestroika“ durch Michail S. Gorbatschow in den letzten Jahren der Sowjetunion stiegen Auflagen und Verbreitung von Zeitschriften, die sich sozialen oder politischen Themen widmeten, dramatisch an. Besonderer Popularität erfreuten sich dabei Beiträge zur Geschichte; sie waren eine wesentliche Ursache für die steigenden Auflagenzahlen dieser Zeitschriften und Magazine. Das große öffentliche Interesse kam daher, dass die Magazine sogenannte „weiße Flecken in der Geschichte“ aufdeckten. Diese „weißen Flecken“ durchzogen eine Reihe der für das historische Gedächtnis Russlands problembehafteten Themen, wie zum Beispiel die Zeit und Herrschaft Josef Stalins, die großen Säuberungen in den 1930er Jahren oder die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Die Auflagen sogenannter „dicker Zeitschriften“ (tosltye zhurnaly), die Artikel über historische Themen veröffentlichten, sowie der illustrierten Wochenzeitschrift OGONIOK stiegen jedes Jahr um etwa 20 Millionen Exemplare. Bereits im Jahr 1988 waren die Verkaufszahlen dann um 65 Millionen Exemplare höher als noch im Jahr 1985 gewesen. Die Zeitschrift RODINA („Heimat“), deren erste Ausgabe im Jahr 1989 auf den Markt kam, wurde ein Bestseller und hatte 1990, nach nur einem Jahr, bereits 450.000 Leser.2

Mit der Auflösung der Sowjetunion und dem Beginn der Marktreformen in den 1990er Jahren änderte sich...

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