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Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt?

Charakter, Bedeutung und Deutung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages vom 23. August 1939

Christoph Koch

Der Sammelband gibt eine Antwort auf die in Politik und Wissenschaft verbreitete Totalitarismustheorie, die den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23.8.1939 als Verständigung zweier wesensverwandter Diktaturen über die Aufteilung Europas und der Welt interpretiert. Die Beiträge erhellen den tatsächlichen Charakter des Vertrags, die deutschen und die sowjetischen Motive für seinen Abschluss sowie seine Bedeutung für die militärische Niederringung des Dritten Reiches und damit für die europäische Nachkriegsordnung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Scheitern der sowjetischen Bemühungen um die Schaffung einer britisch-französisch-sowjetischen Allianz gegen die Achsenmächte und den Auswirkungen des Vertrages auf die Organisationen des antifaschistischen Widerstands.
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Stalin und Hitler: Zwillingsbrüder oder Todfeinde?

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1 Historische Ereignisse und theoretische Kategorien

Ich freue mich über die Gelegenheit, als Philosoph das Wort auf einer im übrigen vornehmlich historischen Tagung zu ergreifen. Wenn Philosophen historische Ereignisse untersuchen, bemühen sie sich gleichzeitig darum, die Kategorien zu diskutieren, mit denen die historischen Ereignisse rekonstruiert und beschrieben werden. Heutzutage werden unter der Kategorie „Totalitarismus“ (die terroristische Diktatur der Einheitspartei und der Personenkult) Stalin und Hitler als die extremen Verkörperungen dieser Geißel, als zwei Monster verstanden, die so ähnliche Merkmale aufweisen, daß man an ein Zwillingspaar denkt. Nicht umsonst – so wird argumentiert – waren sie fast zwei Jahre lang durch einen schändlichen Pakt vereint. Zwar folgte auf diesen Pakt ein erbarmungsloser Krieg, der aber immer von zwei Zwillingen geführt wurde, selbst wenn diese ziemlich streitsüchtig waren.

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