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Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt?

Charakter, Bedeutung und Deutung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages vom 23. August 1939

Edited By Christoph Koch

Der Sammelband gibt eine Antwort auf die in Politik und Wissenschaft verbreitete Totalitarismustheorie, die den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23.8.1939 als Verständigung zweier wesensverwandter Diktaturen über die Aufteilung Europas und der Welt interpretiert. Die Beiträge erhellen den tatsächlichen Charakter des Vertrags, die deutschen und die sowjetischen Motive für seinen Abschluss sowie seine Bedeutung für die militärische Niederringung des Dritten Reiches und damit für die europäische Nachkriegsordnung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Scheitern der sowjetischen Bemühungen um die Schaffung einer britisch-französisch-sowjetischen Allianz gegen die Achsenmächte und den Auswirkungen des Vertrages auf die Organisationen des antifaschistischen Widerstands.
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Stalins Fehlkalkül: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion 1939–1941

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Die Unterzeichnung eines deutsch-sowjetischen Kreditabkommens am 19. August 1939 hatte der Weltöffentlichkeit einen sensationellen Umschwung in den seit Jahren äußerst gespannten Beziehungen zwischen NS-Deutschland und der Sowjetunion signalisiert. Vier Tage später reiste der deutsche Außenminister von Ribbentrop nach Moskau und unterzeichnete im Kreml einen Nicht­an­griffs­pakt, der dem Reich bei dem unmittelbar bevorstehenden Überfall auf Polen den Rücken freihielt. Knapp zwei Jahre später, als in den Morgenstunden des 22. Ju­ni 1941 die Wehrmacht an der deutsch-sowjetischen Demarkationslinie zum Losschlagen bereitlag, kamen an den Grenzbahnhöfen noch Eisenbahnzüge mit Getreide aus der Sowjetunion an. Dieses angesichts der unübersehbaren deutschen Angriffsvorbereitungen kaum nachvollziehbare Faktum markierte zugleich den Endpunkt eines verfehlten Kalküls Stalins, das die Sowjetunion an den Rand einer Katastrophe führte.

Zwischen der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes am 23. August 1939 und dem 22. Juni 1941 hatten die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Staa­ten einen außergewöhnlichen Aufschwung erfahren. Auf der Basis des Kreditabkommens von August 1939 und der beiden Wirtschaftsverträge vom Februar 1940 und vom Januar 1941 stieg das deutsch-­sowjetische Handelsvolumen, das 1939 gerade einmal 60 Mill. RM betragen hatte, im Jahr 1940 auf über 600 Mill. RM an und erreichte im 1. Halbjahr 1941 mit 440 Mill. RM einen Rekordstand. Die Sowjetunion vergab 1940/41 für 1,6 Mrd. RM Aufträge in Deutschland, wovon bei Angriffsbeginn für ← 293 | 294 → 600 Mill. RM in Fertigung waren. Die deutsche Industrie hatte...

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