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Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt?

Charakter, Bedeutung und Deutung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages vom 23. August 1939

Christoph Koch

Der Sammelband gibt eine Antwort auf die in Politik und Wissenschaft verbreitete Totalitarismustheorie, die den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23.8.1939 als Verständigung zweier wesensverwandter Diktaturen über die Aufteilung Europas und der Welt interpretiert. Die Beiträge erhellen den tatsächlichen Charakter des Vertrags, die deutschen und die sowjetischen Motive für seinen Abschluss sowie seine Bedeutung für die militärische Niederringung des Dritten Reiches und damit für die europäische Nachkriegsordnung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Scheitern der sowjetischen Bemühungen um die Schaffung einer britisch-französisch-sowjetischen Allianz gegen die Achsenmächte und den Auswirkungen des Vertrages auf die Organisationen des antifaschistischen Widerstands.
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Der 23. August – ein geeigneter europäischer ‚Gedenktag für die Opfer aller totalitärer und autoritärer Diktaturen‘?

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Als die Mauer in Berlin fiel und die Stacheldrahtverhaue an der ungarischen Grenze durchschnitten wurden, als die Panzer auf dem Roten Platz in Moskau sich nach dem friedlichen Protest der Bürger zurückzogen und Millionen Menschen in Mittel- und Osteuropa auf die Straßen gingen, um für ihre Freiheit zu kämpfen, wurde auch die Erinnerung in Europa befreit. Kommunistische Diktaturen hatten sie in das Gefängnis einer oktroyierten Weltanschauung eingesperrt und versucht, jegliche Erinnerung, die nicht in diesen von staatlichen Aufsehern mit Verboten und Gewalt beherrschten Gedächtnisraum hineinpaßte, für alle Zeiten mundtot zu machen. Doch nicht nur hinter dem Eisernen Vorhang, sondern auch davor war die Erinnerung nicht wirklich völlig frei gewesen. Hier, im sogenannten freien Westen, neigte man dazu, sich selbst zu fesseln. Vielerlei Tabus wurden gegen unerwünschte Erinnerungen aufgerichtet. Die Konfrontation und Konkurrenz der beiden Systeme vor und hinter dem Eisernen Vorhang erzwang auch in den demokratischen Gesellschaften die Kanonisierung und Ver­einfachung widersprüchlicher historischer Erzählungen.

Als die Gefängnismauern der Erinnerungen niedergerissen wurden und die selbst angelegten Fesseln des Gedächtnisses fielen, erfuhren Millionen von jahrzehntelang verschwiegenen Opfern eine späte Anerkennung, die Trauer um sie und das Gedenken wurden endlich zugelassen. In ganz Europa setzte ein Boom der Erinnerungen ein, der sich u. a. in mehreren Gründungswellen von Museen und Gedenkstätten manifestierte. Kaum war die Erinnerung befreit, sollten die lange Zeit unterdrückten Erzählungen und Erfahrungen in Stein, Eisen,...

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