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Literarische Bildung und Migration

Eine empirische Studie zu Lesesozialisationsprozessen bei Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund

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Matthias Jakubanis

In der Studie wird der literarische Sozialisationsprozess von Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund untersucht. Lehrende und Forschende, Studierende und Referendare/innen sowie Interessierte erhalten einen Einblick in ein komplexes Forschungsfeld rund um das Lesen und Literatur. Dabei werden die adoleszenten Herausforderungen der teilnehmenden Jugendlichen empirisch erforscht. Welcher Stellenwert wird dem Lesen und der Literatur beigemessen? Die Forschungsergebnisse verdeutlichen ein gewandeltes Verständnis literarischer Bildung und bieten Einblick in neue Funktionalisierungen des Lesens, die sich angesichts der zunehmenden Heterogenität in deutschen Schulklassen sowohl auf die Lehramtsausbildung, den Deutschunterricht als auch die Literaturdidaktik auswirken.
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3. Bildung und literarische Bildung

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3.  Bildung und literarische Bildung

3.1  Bildungsbegriff

Wenngleich das qualitative Forschungsdesign von der Konstruktion literarischer Bildung im Rahmen der individuellen Lesesozialisation ausgeht, erscheint es zunächst erforderlich, die Bedeutung und vor allem Funktion des Bildungsbegriffs näher zu beleuchten. In den folgenden Abschnitten wird daher die Entstehung und Funktionalisierung des Begriffs dargestellt, um im Hinblick auf die sozialwissenschaftlich-hermeneutische Auswertung der narrativen Interviews (s. unten) die Konstruktionen literarischer Bildung von Seiten der Interviewpartner/innen besser zugänglich zu machen.

Die Unübersetzbarkeit des Begriffs „Bildung“ in Fremdsprachen kennzeichnet bereits dessen Besonderheit als inhaltlich schwer zu erfassendes Konzept. Bollenbeck (1994) kann anhand eines diskursanalytischen Ansatzes darstellen, wie sich Bildung und Kultur als hochgradig flexible Deutungsmuster erweisen, deren Bedeutungsumfang und -inhalt stark variieren (109). Als ein „Typus kollektiv verfestigter vorgegangener Erfahrungen durch Sprache“ (19) und eingebettet in den jeweiligen philosophischen, politischen und sozialen Funktionszusammenhang, ermöglicht es die Analyse dieses Deutungsmusters, sowohl die gesellschaftspolitische als auch inhaltliche Dimensionen von Bildung und Kultur zu verdeutlichen. Bollenbeck verweist ebenso wie Dawidowski (2009b) zunächst auf Herder, der mit dem Konzept der Menschen- und Persönlichkeitsbildung eine Gegenauffassung zur reinen Objektivierung des Menschen innerhalb einer „staatlichen Maschinerie“ verfolgt (444). Sprache und damit vor allem Dichtung sind elementare Vermittlungsinstanzen der Selbstbildung (Herder 1986: 94). Demzufolge konstatiert Dawidowski, dass

Bildung […] bei Herder Menschenbildung durch Vernunft jenseits von Wissenschaft und Ratio, […] Herausbildung eines Charakters als harmonische Ganzheit mit Hilfe des Mediums Sprache [ist]. (Dawidowski 2009b: 445; Hervorhebungen im Original)

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