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Zur Kultur der DDR

Persönliche Erinnerungen und wissenschaftliche Perspektiven- Paul Gerhard Klussmann zu Ehren

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Edited By Frank Hoffmann

Das Zusammenwachsen Deutschlands seit 1990 wurde von oft persönlich verletzenden Auseinandersetzungen über die Kultur der DDR und ihre ideologischen Grundlagen begleitet. Mancher Literatur- oder Bilderstreit wurde fast als Stellvertreterkrieg inszeniert. Die Beiträge dieses Bands plädieren, oft mit lebensgeschichtlicher Beglaubigung, für eine Versachlichung des Dialogs, ohne die Unterschiede von Diktatur und Demokratie einzuebnen. Mit einem weiten Kulturbegriff zeichnen sie ein differenziertes Bild kultureller Lebenswelten der DDR: von den Künsten und der Literatur über Wissenschaft, Mode, Konsumkultur und Auszeichnungswesen bis zu Geschichtsbewusstsein, Schule, Bildung und der Gegenwelt des evangelischen Pfarrhauses. Nationale und internationale Kontexte der DDR-Kultur werden erkennbar.
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Prüder zur Freiheit? Erotik und Sexualität in der DDR-Prosa

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Hannes Krauss

Was the SED State more liberal in sexual terms than the West at least, as frequently reported? And did it find expression in belles lettres, that should after all reflect the reality? A critical review of a selection of important texts of the GDR prose, written by Eduard Claudius, Christa Wolf, Erik Neutsch and Hermann Kant, up to Christoph Hein and others, leads to a sobering conclusion: Indeed some taboo boundaries were widened, though the images of sexuality charge aesthetically in the approximate between prudery and awkwardness.

Mein Beitrag ist methodisch nicht sonderlich avanciert. Das mag mit meinem Alter zusammenhängen – aber auch mit seinem Gegenstand. Die Befassung mit DDR-Literatur war ja nicht selten geprägt durch eine eher altmodische Vermischung von sozial- und literaturwissenschaftlichen Fragestellungen. Das Medium Literatur geriet zum Guckloch in eine fremde Welt, die sich in der Realität stark abgeschottet hatte, Fiktion wurde als Faktum genommen.1 Andererseits diente westlichen Lesern die sozialistische Literatur auch als Projektionsfläche für politische Visionen; in der Lektüre konnte man solche pflegen ohne Störung durch banale Erfahrungen und defizitäre Realität.

Je länger das Ende der DDR zurückliegt, desto häufiger werden auch Vorzüge dieses Staates behauptet – und gegen seine nicht dementierten politischen Makel aufgerechnet. Zu den regelmäßig ins Feld geführten Errungenschaften zählen die soziale Sicherheit, der grüne Rechtsabbiegepfeil und eine größere sexuelle Freizügigkeit.

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