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Zur Kultur der DDR

Persönliche Erinnerungen und wissenschaftliche Perspektiven- Paul Gerhard Klussmann zu Ehren

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Edited By Frank Hoffmann

Das Zusammenwachsen Deutschlands seit 1990 wurde von oft persönlich verletzenden Auseinandersetzungen über die Kultur der DDR und ihre ideologischen Grundlagen begleitet. Mancher Literatur- oder Bilderstreit wurde fast als Stellvertreterkrieg inszeniert. Die Beiträge dieses Bands plädieren, oft mit lebensgeschichtlicher Beglaubigung, für eine Versachlichung des Dialogs, ohne die Unterschiede von Diktatur und Demokratie einzuebnen. Mit einem weiten Kulturbegriff zeichnen sie ein differenziertes Bild kultureller Lebenswelten der DDR: von den Künsten und der Literatur über Wissenschaft, Mode, Konsumkultur und Auszeichnungswesen bis zu Geschichtsbewusstsein, Schule, Bildung und der Gegenwelt des evangelischen Pfarrhauses. Nationale und internationale Kontexte der DDR-Kultur werden erkennbar.
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„Zwischen den Stühlen der Mächtigen“. Alfred Kantorowicz – heimatlos in Ost und West

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Dietmar Petzina

The writer and literary scholar Alfred Kantorowicz (1899-1979) belongs to the great unknown and „homeless” in German cultural history of the 20th century. As a Jewish Democrat, Communist, exile, Re-migrant in the Soviet Occupation Zone/GDR, not at least as for long time not recognized ‘political refugee’ in the Federal Republic, he stood between all chairs. His „German Diary” is an important document of the cold war. The paper pays tribute to a commuter across the borders and suggests his hopes for a new start in the GDR culture under the banner of counter-deception.

Eine persönliche Vorbemerkung:1 In der Zeit des Kalten Krieges gab es Hunderttausende Grenzgänger zwischen Ost und West, zumeist Menschen, die vor politischer Repression und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit flüchteten, um sich diesseits des Eisernen Vorhangs ein neues Leben aufzubauen. Darunter gab es Prominente, auf die sich zu unterschiedlichen Zeiten die mediale Aufmerksamkeit konzentrierte – Wolfgang Leonhard wäre hier beispielhaft zu nennen, eine Generation später Wolf Biermann oder Manfred Krug. Das Schicksal von Alfred Kantorowicz, der sich in dieses Schema, wie zu zeigen ist, nicht recht einfügen will, hat mich bereits in meiner Münchner Studentenzeit fasziniert. Die Studentengruppe, der ich damals angehörte, lud ihn 1959 zum öffentlichen Vortrag ein – gerade weil er nach seiner Flucht in den Westen auf beiden Seiten der ideologischen Fronten zur Persona non grata geworden war. Die Begegnung mit ihm war ein prägendes Erlebnis. Auch mehr als 50 Jahre...

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