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Zur Kultur der DDR

Persönliche Erinnerungen und wissenschaftliche Perspektiven- Paul Gerhard Klussmann zu Ehren

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Frank Hoffmann

Das Zusammenwachsen Deutschlands seit 1990 wurde von oft persönlich verletzenden Auseinandersetzungen über die Kultur der DDR und ihre ideologischen Grundlagen begleitet. Mancher Literatur- oder Bilderstreit wurde fast als Stellvertreterkrieg inszeniert. Die Beiträge dieses Bands plädieren, oft mit lebensgeschichtlicher Beglaubigung, für eine Versachlichung des Dialogs, ohne die Unterschiede von Diktatur und Demokratie einzuebnen. Mit einem weiten Kulturbegriff zeichnen sie ein differenziertes Bild kultureller Lebenswelten der DDR: von den Künsten und der Literatur über Wissenschaft, Mode, Konsumkultur und Auszeichnungswesen bis zu Geschichtsbewusstsein, Schule, Bildung und der Gegenwelt des evangelischen Pfarrhauses. Nationale und internationale Kontexte der DDR-Kultur werden erkennbar.
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Germanistikstudium in der DDR – eine russische Perspektive

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Valentina Savina

Based on the personal memory of her literature studies at Berlin’s Humboldt University (1984-1988), the contribution by Valentina Savina delivers an exciting image of the late DDR: being a visiting student from the Soviet Union, marked already by the perestroika, she observed how orthodoxy and authoritarian boredom (as in the language and applied geography lessons) crossed with courageous and very demanding access by literary scholars. Thereby she made a „close experience” of European history.

In den 1970er und 1980er Jahren bestand zwischen der DDR und der Sowjetunion ein intensiver Studentenaustausch. Sowjetische Studenten studierten hauptsächlich Ingenieurwissenschaft in Dresden und Germanistik in Berlin, Jena und Leipzig. Ich habe von 1984 bis 1988 an der Humboldt-Universität zu Berlin in der Sektion Germanistik zusammen mit anderen sowjetischen Studenten studiert. Das war ein Vollstudium, das acht Semester dauerte, nachdem ich bereits vier Semester an der Heimatuniversität erfolgreich absolviert hatte. In Berlin studierten auch viele Teilstudenten, die regelmäßig für zwei Semester kamen.

Bevor wir mit dem Studium in der DDR anfangen konnten, mussten wir von vielen Komsomol- und Parteichefs, die die sogenannte Ausreisekommission bildeten, begutachtet werden. Es wurde geprüft, ob wir ‚den hohen Anforderungen‘ entsprechen und ‚die Sowjetunion im Ausland vertreten dürfen‘. Natürlich entsprachen wir den hohen Anforderungen nicht. Man warf uns viele Mängel vor. Meine Studienkollegin verspätete sich zur Kartoffelernte, an der alle sowjetischen Studenten jährlich teilnehmen mussten. Was mich betraf, waren mir nicht...

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