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Zur Kultur der DDR

Persönliche Erinnerungen und wissenschaftliche Perspektiven- Paul Gerhard Klussmann zu Ehren

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Frank Hoffmann

Das Zusammenwachsen Deutschlands seit 1990 wurde von oft persönlich verletzenden Auseinandersetzungen über die Kultur der DDR und ihre ideologischen Grundlagen begleitet. Mancher Literatur- oder Bilderstreit wurde fast als Stellvertreterkrieg inszeniert. Die Beiträge dieses Bands plädieren, oft mit lebensgeschichtlicher Beglaubigung, für eine Versachlichung des Dialogs, ohne die Unterschiede von Diktatur und Demokratie einzuebnen. Mit einem weiten Kulturbegriff zeichnen sie ein differenziertes Bild kultureller Lebenswelten der DDR: von den Künsten und der Literatur über Wissenschaft, Mode, Konsumkultur und Auszeichnungswesen bis zu Geschichtsbewusstsein, Schule, Bildung und der Gegenwelt des evangelischen Pfarrhauses. Nationale und internationale Kontexte der DDR-Kultur werden erkennbar.
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Zäsuren in der Kulturgeschichte der DDR. Fragen und Überlegungen zur Periodisierung

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Frank Hoffmann

Die Frage nach den Zäsuren der DDR-Kultur stellt sich in unterschiedlichen Zusammenhängen. In der Praxis erwächst sie aus der oft eher hilflosen Not, einer jungen und womöglich gar westdeutschen Generation von Studierenden Fix- oder Anhaltspunkte zu zeigen, an denen entlang sie sich der DDR-Kultur nähern können. Die Frage richtet sich also auch auf den Kanon von Wissen und Kompetenzen im Umgang mit der kulturellen Hinterlassenschaft der SED-Diktatur. Dabei ist sowohl an die Integrationsfähigkeit kultureller Fakten und Prozesse in ein Gesamtbild der DDR gedacht als auch an die Signifikanz der DDR-Kultur jenseits ihrer politischen Eingebundenheit. Denn während z. B. Staatssicherheit und Planwirtschaft, unabhängig von ihrer zeitweiligen Brisanz und Aktualisierbarkeit, als abgeschlossene Sachverhalte des SED-Staats zu verhandeln sind, bleiben kulturelle Artefakte dank ihrer lebensweltlichen Situierung – als Schlagermelodie, als Bauwerk in meiner Straße, als Gedichtzeile usw. – in der alltäglichen kommunikativen und auch ganz praktischen Verfügbarkeit. Es geht also um die Frage, ob und wie man eine Kulturgeschichte der DDR organisiert, genauer: wie man sie periodisieren und durch die Herausarbeitung von Zäsuren – und dann eben: welchen? – gliedern kann.

Nur als kleine Zwischenbemerkung sei zu bedenken gegeben, dass sich natürlich auch andere Strukturierungselemente anbieten könnten, etwa solche räumlicher oder inhaltlicher Art. Hinsichtlich der Raumstruktur mag man sofort einwenden, dass sich alles oder doch fast alles auf die Fläche von gut zehn Quadratkilometern in Berlin-Mitte konzentriert hat, in der sich neben...

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