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Wie flektieren Schulkinder die Vergangenheitsformen starker Verben?

Untersuchungen zu Dritt-, Fünft- und Siebtklässlern

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Sonja Wonner

Das Buch ist besonders von Interesse für Linguisten, Psycholinguisten, Sprachdidaktiker und Lehrer. Die umfangreiche Studie mit 146 Schulkindern untersucht, wie sich die Präterital- und Partizipformen starker Verben von der 3. über die 5. zur 7. Jahrgangsstufe entwickeln. Daten sind Bildergeschichten und Lückentexte, zwei in der Schulpraxis häufig verwendete Textsorten. Beide beeinflussen die Fehlerhäufigkeit in der Präteritalbildung. Detaillierte Fehleranalysen zeigen, wie sich die Strategien der Schulkinder verändern. Formen wie * schwimmte, * schwammte oder * schwumm sind Ausprägungen verschiedener Entwicklungsphasen, die anhand eines Modells erläutert werden.
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0. Einleitung

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0.1 Ziele und Fragestellungen der Arbeit

Bei meiner Arbeit mit Vorschulkindern fallen mir jedes Mal Äußerungen der Kinder wie „Ich hab schon meinen Namen geschreibt“ oder „Ich bin von der Treppe gefallt“ auf. Das folgende Zitat stammt von einem Grundschüler. „Ich dachte schon, wir sind verluren!“, sagte der Erstklässler erleichtert, als seine Klasse vom Pausenhof abgeholt wurde. Diese Beispiele zeigen, dass Vorschulkinder und Grundschüler Probleme bei der korrekten Vergangenheitsbildung starker Verben haben. Doch nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene flektieren die Vergangenheitsformen starker Verben teilweise fehlerhaft. Im Fitnessstudio erzählte die Trainerin von ihrem All-Inclusive-Urlaub in der Türkei: „Im Speisesaal hat sich jemand den Teller so voll geladen und stellt euch vor, dann hat der genossen, aber wie!“ Aufgrund des semantischen Bezugs zu genießen dauerte es einige Zeit, bis ich verstand, dass sie eigentlich meinte, dass jemand niesen musste.

Situationen aus dem alltäglichen Sprachgebrauch verdeutlichen, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene Probleme mit den grammatischen Verbformen der Vergangenheitstempora haben. In Grundschulen sind es nicht nur die jüngeren Schülerinnen und Schüler, sondern auch Dritt- und Viertklässler, denen vor allem die Formen der starken Verben Probleme bereiten. Während im englischen Sprachraum eine Reihe von Studien zum Erwerb der englischen past tense existiert (z. B. Bybee & Slobin 1982, Marcus et al. 1992, Marchman & Bates 1994), wurde zur deutschen Vergangenheitsbildung weniger geforscht. Zum Deutschen liegen Untersuchungen von zwei- bis dreijährigen Kindern (z. B....

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