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Die Himmel sind leer

Der "Dom Juan</I> von Molière im Kontext frühneuzeitlicher Religions- und Herrschaftskritik

Joachim Wink

Die Vieldeutigkeit des Dom Juan ist in postmodernen Zeiten oft betont worden, doch ist sie Folge eines Tabus. Das Tabu lautet, dass Molière den in seiner Komödie über fünfzig Mal evozierten Ciel auf keinen Fall in spöttisches Licht setzen wollte. So wird der orthodox-christliche Himmel, den die Zuschauer des 17. Jahrhunderts vor Augen hatten, entweder ausgeblendet oder mit modernen deistischen Vorstellungen gefüllt: ein Verfahren, bei dem die Blasphemie, derer Molière von seinen Zeitgenossen beschuldigt wurde, auf der Strecke bleibt. Der Autor zeigt, Szene für Szene, wie durch historische Rückfühlung, die den religiösen Realitäten im Zeitalter der Gegenreformation Rechnung trägt, die heiligen Kühe der Pluralität und Paradoxie plötzlich vom Fleisch fallen und wieder der sozial kämpferische Molière der älteren Forschung zum Vorschein kommt.
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Einleitung

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Denn es ist mit der Philosophie wie mit gar vielen Dingen: Alles kommt darauf an, daß man sie am rechten Ende angreife. Das zu erklärende Phänomen der Welt bietet nun aber unzählige Enden dar, von denen nur Eines das rechte seyn kann: es gleicht einem verschlungenen Fadengewirre, mit vielen daran hängenden, falschen Endfäden: nur wer den wirklichen herausfindet kann das Ganze entwirren. Dann aber entwickelt sich leicht Eines aus dem Andern, und daran wird kenntlich, daß es das rechte Ende gewesen sei.

Arthur Schopenhauer

Die sogenannte streng philologische Methode, das heißt einfach die rücksichtslos ehrliche, im großen wie im kleinen vor keiner Mühe scheuende, keinem Zweifel ausbiegende, keine Lücke der Überlieferung oder des eigenen Wissens übertünchende, immer sich selbst und anderen Rechenschaft legende Wahrheitsforschung.

Theodor Mommsen

Der Dom Juan von Molière1 ist lange Zeit kontrovers diskutiert worden, bis sich im Zuge der „kulturalistischen Wende“ gegen Ende des letzten Jahrhunderts2 die Einstellung breitmachte, daß sich das Führen solcher Kontroversen doch eigentlich erledigt habe und wir uns von nun an daran zu gewöhnen hätten, daß sich widersprechende Meinungen – z.B. ob Dom Juan eine komische oder nicht-komische Figur sei, ob Sganarelle in seinen Reden ironisch oder nicht- ← 17 | 18 → ironisch sei, ob Molière für sich einen porte-parole eingesetzt habe und welche seiner Figuren als ein solcher zu erkennen sei, ob es der christliche Glaube oder der Atheismus sei,...

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