Show Less
Restricted access

Die Himmel sind leer

Der "Dom Juan</I> von Molière im Kontext frühneuzeitlicher Religions- und Herrschaftskritik

Joachim Wink

Die Vieldeutigkeit des Dom Juan ist in postmodernen Zeiten oft betont worden, doch ist sie Folge eines Tabus. Das Tabu lautet, dass Molière den in seiner Komödie über fünfzig Mal evozierten Ciel auf keinen Fall in spöttisches Licht setzen wollte. So wird der orthodox-christliche Himmel, den die Zuschauer des 17. Jahrhunderts vor Augen hatten, entweder ausgeblendet oder mit modernen deistischen Vorstellungen gefüllt: ein Verfahren, bei dem die Blasphemie, derer Molière von seinen Zeitgenossen beschuldigt wurde, auf der Strecke bleibt. Der Autor zeigt, Szene für Szene, wie durch historische Rückfühlung, die den religiösen Realitäten im Zeitalter der Gegenreformation Rechnung trägt, die heiligen Kühe der Pluralität und Paradoxie plötzlich vom Fleisch fallen und wieder der sozial kämpferische Molière der älteren Forschung zum Vorschein kommt.
Show Summary Details
Restricted access

IX. Das Nicken der Statue

← 410 | 411 →IX. Das Nicken der Statue

Extract

Non direm noi che ’l sapere scoprire in un marmo una bellissima statua ha sublimato l’ingegno del Buonarruoti assai assai sopra gli ingegni comuni degli altri uomini? E questa opera non è altro che imitare una sola attitudine e disposizion di membra esteriore e superficiale d’un uomo immobile; e però che cosa è in comparazione d’un uomo fatto dalla natura, composto di tante membra esterne ed interne, de i tanti muscoli, tendini, nervi, ossa, che servono a i tanti e sì diversi movimenti? Ma che diremo de i sensi, delle potenze dell’anima, e finalmente dell’intendere? non possiamo noi dire, e con ragione, la fabbrica di una statua cedere d’infinito intervallo alla formazion d’un uomo vivo, anzi anco alla formazion d’un vilissimo verme?

Galileo Galilei, Dialogo sopra i due massimi sistemi del Mondo

Die Bühnenverwandlung, die nun mitten in der fünften und letzten Szene des dritten Akts einsetzt, hat in der Tat etwas Wunderbares. Zwar haben sich hierüber keine technischen Beschreibungen erhalten; selbst in der (dem Titel nach so vielversprechenden!) Description des superbes machines et des magnifiques changements de théâtre du Festin de Pierre ou l’Athée foudroyé de M. de Molière – ein irgendwann nach 1665 gedruckter Reklamefaszikel einer uns unbekannt gebliebenen Schauspieltruppe, die in der Provinz Molières Stück weiterhin zur Aufführung brachte1 – wird im Anschluß an die Duell-Episode einfach nur gesagt:

[…] cette poursuite fait résoudre Don Juan à s’en aller, et comme il est près de partir,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.