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Aktualität der Metapher

Das Meer, die Metapher und die Sprache

Ina Paul-Horn

Der Bedeutung und Funktion von Metaphern nachzugehen und darüber aufzuklären, ist Aufgabe der Metaphorologie. Dieses Buch legt eine differenzierte Auseinandersetzung mit Hans Blumenbergs Metaphorologie vor, deren unterschiedliche Konzeptionen die Autorin in drei Schritten darstellt und erläutert. Ein wesentliches Ergebnis, das die Konzeptionen eint, liegt in der anthropologischen Neubestimmung des Menschen. Der speziellen Bedeutung von Meeresmetaphern in philosophischen Texten wird am Beispiel ausgewählter Autoren wie Kant, Hegel, Nietzsche, Simmel und Canetti nachgegangen, für die das Meer eine jeweils unterschiedliche metaphorologische Bedeutung hat.
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5. Das Meer – das ins Geographische gewendete Tauschmittel. Zur Philosophie des Geldes von Georg Simmel

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5.  Das Meer – das ins Geographische gewendete Tauschmittel. Zur Philosophie des Geldes von Georg Simmel

Gold und Silber lieb’ ich sehr, Kann’ auch gut gebrauchen, Hätt’ ich doch ein ganzes Meer, Mich hinein zu tauchen;

August Schnezler, Lied aus dem 19. Jahrhundert

Implizite und explizite Metaphorik des Meeres

Bei der Lektüre von Simmels Philosophie des Geldes wird man immer wieder mit Metaphern konfrontiert. Von eintauchen, fließen, strömen, quellen und münden ist die Rede, ebenso von Strom, Quellen und Mündungen. Man gewänne den durch-gehenden Eindruck, dass alles fließt, wären da nicht ebenso Metaphern, die Gegensätzliches bezeichnen: das Festwerden und Fundamentieren. Man gewöhnt sich daran, die bildliche Sprache und die mehr oder weniger implizite (Meeres-) Metaphorik für eine stilistische Eigentümlichkeit des Autors zu halten. Solchermaßen vorbereitet ist es dennoch überraschend, im fünften Kapitel der Philosophie des Geldes, übertitelt mit „Das Geldäquivalent personaler Werte“, im Zusammenhang mit Geld auf eine explizite Meeresmetaphorik zu stoßen. Überraschend ist vor allem die Tatsache, dass das Meer an dieser Stelle nicht mehr nur als Hintergrundmetapher auftaucht, sondern als Metapher in den Vordergrund tritt. Simmel sagt, das Meer sei wie das Geld, etwas Vermittelndes. Damit erlangt das Meer den Status einer expliziten, möglicherweise den einer absoluten Metapher82. „Das Meer ist eine Vermittlung wie das Geld, es ist das ins Geographische gewandte Tauschmittel, gleichsam in sich völlig farblos und deshalb wie das...

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