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«Der Papst und der Bienenkorb»: Marcel Reich-Ranicki als ein Akteur im literarischen Feld der Bundesrepublik

Jasmin Ahmadi

Das Buch befasst sich mit Deutschlands bekanntestem Literaturkritiker: Mit Marcel Reich-Ranicki betrat 1958 ein Akteur die literarische Bühne der BRD, der bis dahin kaum über Kontakte zum westdeutschen literarischen Feld verfügte. Dennoch gelang es ihm innerhalb von nur 15 Jahren zum Leiter der Redaktion für Literatur und literarisches Leben bei der FAZ zu avancieren und zu einer der zentralen Benennungsmächte des literarischen Feldes der Bundesrepublik aufzusteigen. Jasmin Ahmadi legt dar, wie es dem Kritiker über die Jahre gelang, die feldspezifischen Kapitalien zu erwerben, strategisch wichtige Positionen einzunehmen und die informelle Struktur des literarischen Feldes zu seinen Gunsten zu verändern. Als Analyseinstrument wird dazu Pierre Bourdieus Theorie des literarischen Feldes verwandt.
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10. „Man kam an ihm einfach nicht mehr vorbei“: Reich-Ranicki und die Frankfurter Allgemeine Zeitung

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10. „Man kam an ihm einfach nicht mehr vorbei“: Reich-Ranicki und die Frankfurter Allgemeine Zeitung

In den zahlreichen Interviews und Berichten über Marcel Reich-Ranickis Tätigkeit als leitender FAZ-Redakteur – 1973 bis 1988 – ist des Öfteren die sinngemäße Äußerung zu lesen, dass es dem Kritiker seinerzeit gelungen sei, sein Ressort in ein Machtzentrum der bundesrepublikanischen Gegenwartsliteratur zu verwandeln.724 Es gilt der These nachzugehen, dass sich Reich-Ranicki erst mit seiner leitenden Funktion bei der FAZ den Rang einer maßgeblichen Instanz des literarischen Feldes verschaffen konnte. Die folgenden Kapitel sollen die Durchsetzungsstrategien des Kritikers aufzeigen und seine Selbstpositionierungen in dem genannten Zeitabschnitt nach feldtheoretischen Gesichtspunkten analysieren. Um jedoch den Positionswechsel Reich-Ranickis – weg von der ZEIT hin zur FAZ – angemessen beurteilen zu können, erfolgt in einem ersten Schritt eine komprimierte Verortung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung innerhalb der bundesrepublikanischen Presselandschaft.725 ← 179 | 180 →

10.1 Die Verortung der FAZ im journalistischen Feld der Bundesrepublik

Intellektuelle, welche sich die ‚Frankfurter Allgemeine‘ halten, werfen bekanntlich den politischen Teil gleich weg und greifen zuerst zum Feuilleton.726

Die erste Ausgabe der FAZ erschien am 1.11.1949 kurz nach dem Ende des alliierten Lizenzzwangs für Presseprodukte.727 Bis heute zeichnet sich die Struktur der FAZ durch die Besonderheit aus, dass es die Instanz eines Verlegers, der auch der alleinige Eigentümer der Zeitung wäre, nicht gibt. Ebenso wenig gibt es einen Chefredakteur, sondern fünf gleichberechtigte Herausgeber bestimmen gemeinsam das politische Profil dieser Tageszeitung. Diese fünf besitzen einen ‚symbolischen...

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