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«Der Papst und der Bienenkorb»: Marcel Reich-Ranicki als ein Akteur im literarischen Feld der Bundesrepublik

Jasmin Ahmadi

Das Buch befasst sich mit Deutschlands bekanntestem Literaturkritiker: Mit Marcel Reich-Ranicki betrat 1958 ein Akteur die literarische Bühne der BRD, der bis dahin kaum über Kontakte zum westdeutschen literarischen Feld verfügte. Dennoch gelang es ihm innerhalb von nur 15 Jahren zum Leiter der Redaktion für Literatur und literarisches Leben bei der FAZ zu avancieren und zu einer der zentralen Benennungsmächte des literarischen Feldes der Bundesrepublik aufzusteigen. Jasmin Ahmadi legt dar, wie es dem Kritiker über die Jahre gelang, die feldspezifischen Kapitalien zu erwerben, strategisch wichtige Positionen einzunehmen und die informelle Struktur des literarischen Feldes zu seinen Gunsten zu verändern. Als Analyseinstrument wird dazu Pierre Bourdieus Theorie des literarischen Feldes verwandt.
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11. „Artiste Roué“: Das Literarische Quartett

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11. „Artiste Roué“: Das Literarische Quartett

11.1 Fides implicita: Wie alles begann

Erfahrene Verleger versicherten glaubhaft, daß eine enthusiastische Lobeshymne aus dem Mund Reich-Ranickis die Auflage des betreffenden Buches um 25 000 Exemplare oder mehr anheben konnte. Stimmten ihm die übrigen drei Diskutanten zu, verkauften sich nicht selten 40 000 bis 50 000 Bücher zusätzlich.797

Bereits im Sommer 1987 wurde Reich-Ranicki von Dieter Schwarzenau, dem damaligen Redaktionsleiter der Sendung aspekte, und Johannes Willms, ebenfalls Redakteur beim ZDF und späterer Nachfolger von Schwarzenau,798 gefragt, ob er sich vorstellen könne, eine regelmäßige Literatursendung zu leiten. Nach zahlreichen Verhandlungen und Eingeständnissen seitens der Redaktion, auf die noch im weiteren Verlauf dieser Arbeit eingegangen wird, wurde die Sendung das Literarische Quartett – als Nachfolgesendung der Sonderreihe aspekte-Literatur – am 25. März 1988 ausgestrahlt und lief bis zum Dezember 2001.799 In den 13 Jahren ihrer Sendezeit wurden 77 Sendungen ausgestrahlt und 385 Bücher besprochen. Im Durchschnitt sahen sich 90 000 Zuschauer die abendliche Kultursendung an.800 ← 199 | 200 →

Mit dem Literarischen Quartett erreichte Reich-Ranicki nicht nur eine bis dahin ungekannte Definitionsmacht innerhalb des journalistischen Feldes, sondern es gelang ihm durch dessen intrikates Verhältnis zum literarischen Feld darüber hinaus, diese Definitionsmacht fast ungebrochen ins literarische Feld zu transferieren. Durch das Literarische Quartett entstand somit eine Schnittmenge zwischen dem literarischen und dem medialen Feld, deren nähere Betrachtung das Zentrum dieses Kapitels bildet. Zudem stellt sich angesichts dieser Tatsache die Frage,...

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