Show Less
Restricted access

Kaiser Michael IX. Palaiologos: sein Leben und Wirken (1278 bis 1320)

Eine biographische Annäherung

Series:

Helga Gickler

Das Buch befasst sich mit Kaiser Michael IX. Palaiologos, der in der Literatur bisher kaum beachtet, sondern als «Mitkaiser» ohne selbstständige Funktionen gesehen wurde. Helga Gickler untersucht die Gründe dafür. Die abwertende lateinische Übersetzung des Historiographen Pachymeres, der wahrscheinlich Michaels Lehrer war, beeinflusste viele neuzeitliche Historiker. Als Feldherr agierte Michael völlig eigenständig und propagierte Freiwilligenheere. Er war jedoch 1302–03 gegen die osmanischen Heere im Westen Kleinasiens und 1303–05 gegen die Katalanische Kompanie in Thrakien erfolglos. Seine Präsenz in der Epigraphik und in der Münzprägung unterstreicht seine Bedeutung. Sein plötzlicher Tod wird als Giftmord durch seinen Sohn Andronikos III. gedeutet.
Show Summary Details
Restricted access

II. Literarische Quellen

Extract

Die literarischen Quellen zum Leben und Wirken Michaels IX. sprudeln nicht allzu reichlich. Nur der Historiograph Georgios Pachymeres kann Michaels IX. Leben und Wirken aus eigener Anschauung bis ungefähr 1308 schildern, aber auch für ihn bleiben viele Aktionen des jungen Kaisers in der thrakischen Provinz zwischen 1305 und 1308 undurchsichtig. Nikephoros Gregoras und Johannes Kantakuzenos können erst für die Ereignisse des Jahres 1320 als Zeitzeugen gelten. Die Briefe des Patriarchen Athanasios I. werfen ein helles Licht auf die Stimmung in Konstantinopel gegenüber den katalanischen Invasoren in den Jahren 1303-1304. Zwei nichtgriechische Quellen, die Chronik des Katalanen Ramon Muntaner und der lateinische Aufruf eines anonymen Dominikaners, einen Kreuzzug gegen die chismatischen Griechen zu unternehmen, beleuchten die schwierige militärische Lage des byzantinischen Reiches am Anfang des 14. Jahrhunderts. Schließlich gibt es noch fünf Werke der höfischen Rhetorik: eine Rede anlässlich der Krönung Michaels IX. im Jahre 1294 und vier Reden, die den Tod des Kaisers 1320 beklagen.

Georgios Pachymeres68 wurde 1242 in Nikaia geboren und kam 1261 nach Konstantinopel. Dort erhielt er eine gediegene Ausbildung in Philosophie, Mathematik und Rhetorik bei dem Historiker und megas logothetes Georgios Akropolites.69 Als protekdikos70 gehörte er dem Patriarchatsklerus an. Noch unter Michael VIII. stieg er zum dikaiophylax71 auf und bekleidete damit zusätzlich den Posten eines weltlichen Beamten des Palastes.72 Die Untersuchungen von Golitsis legen nahe, dass Pachymeres zwischen 1280 und 1305 die Leitung der kaiserlichen Schule in Konstantinopel ← 19 | 20 →innehatte.73...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.