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Walthers von der Vogelweide «Reichston»

Eine kritische Aufarbeitung der altgermanistischen und historischen Forschungsgeschichte

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Jens Burkert

Das Buch erschließt Altgermanisten wie an Walther als Quelle interessierten Historikern die 200-jährige historische und altgermanistische Forschung zum «Reichston». Keinem anderen Sangspruchton Walthers von der Vogelweide wurde mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit zuteil. Die Forschungsgeschichte zum Thema spiegelt wichtige Etappen der allgemeinen Fachgeschichte. Jens Burkert begnügt sich in seiner Darstellung nicht mit dem Dokumentarischen: Indem Meinungen vernetzt werden, Vergessenes entdeckt wird und Desiderata, Irrtümer oder problematische Argumentationsgrundlagen zur Sprache kommen, wird der Forschungsbericht zugleich zu einem kritischen Forschungskommentar. So entsteht ein neuer Ausgangspunkt für die Betrachtung des wohl wirkmächtigsten Sangspruchtons Walthers.
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Einleitung

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Walthers Sangsprüchen stellt der Literarhistoriker und Gymnasiallehrer Karl Kinzel in der Einleitung zu seiner Walther- und „Minnesangs-Frühling“-Auswahl (1890) Auszüge aus Quellen zur Geschichte des deutschen Thronstreites (1198-1218) voran,1 die er wiederum mit folgenden Worten einführt:

„Aus der Verbindung dieser Quellen mit den Angaben des Dichters wird man sich ein Bild von den Kämpfen jener Zeit und von Walthers Stellung in denselben machen können. Zugleich wird man erkennen, wie wertvoll Walthers Gedichte für den Geschichtsforscher sein müssen; derselbe kann sie bei der Darstellung der Geschichte jener Zeit nicht entbehren.“2

Auch der der heutigen Forschung gewiss präsentere Gelehrte Konrad Burdach hält Walthers Sangsprüche, in diesem Fall die papstkritischen Strophen des „Unmutstons“, für ein „geschichtliches Zeugnis ersten Ranges“3, das die Historiker unbedingt zu berücksichtigen hätten. Burdach ist freilich selbst ein herausragendes Beispiel für das heute längst zurückgedrängte, aber nicht ganz verdrängte Streben, für so viel als nur möglich in Walthers politischen Sangsprüchen historische und biographische Hintergründe aufzudecken, und für das zumindest nicht hinreichende Ernstnehmen der wohl bewusst entaktualisierten Inhalte vieler anderer Sangsprüche Walthers:

„Indessen noch bleibt unendlich viel zu leisten übrig. Noch sind manche seiner politischen Sprüche in ihren historischen Voraussetzungen ungenügend oder gar nicht aufgeklärt. Viel schlimmer steht es mit den rein lehrhaften Sprüchen, mit den Schelt- und Lobgedichten: nur bei...

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