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Walthers von der Vogelweide «Reichston»

Eine kritische Aufarbeitung der altgermanistischen und historischen Forschungsgeschichte

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Jens Burkert

Das Buch erschließt Altgermanisten wie an Walther als Quelle interessierten Historikern die 200-jährige historische und altgermanistische Forschung zum «Reichston». Keinem anderen Sangspruchton Walthers von der Vogelweide wurde mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit zuteil. Die Forschungsgeschichte zum Thema spiegelt wichtige Etappen der allgemeinen Fachgeschichte. Jens Burkert begnügt sich in seiner Darstellung nicht mit dem Dokumentarischen: Indem Meinungen vernetzt werden, Vergessenes entdeckt wird und Desiderata, Irrtümer oder problematische Argumentationsgrundlagen zur Sprache kommen, wird der Forschungsbericht zugleich zu einem kritischen Forschungskommentar. So entsteht ein neuer Ausgangspunkt für die Betrachtung des wohl wirkmächtigsten Sangspruchtons Walthers.
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II.4 Schlussübersicht zu den Datierungen

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Die (kunst)historische Forschung konnte zu größten Teilen aufgrund ihres Wissens über Stirnjuwelen nicht an einen Platz des Waisen am hinteren Teil der Krone glauben, eher waren die Altgermanisten geneigt, Walther, von dem man sich einen Irrtum in einer solchen Frage nicht vorstellen konnte, wörtlich zu nehmen.

Die Äußerungen, in denen für einen Platz des Steins an der Stirnplatte votiert wird, lassen sich wie folgt gruppieren: In einigen Beiträgen spielt Walthers Angabe keine große oder gar keine Rolle und die Stirnplattenposition wird vorausgesetzt oder aus der Tradition begründet.1474 Andere Forscher gehen auf den Wortlaut ein ← 314 | 315 → und verstehen weise in L 18,29 ff. (wie in L 8,28 ff.) als Pars pro Toto für krône.1475 (Damit ist, was so gut wie nie erwähnt wird, die Nackenplattenposition überhaupt nicht ausgeschlossen, sie muss so aber nicht mehr angenommen werden. Zudem müssen die verschiedenen Lesarten in B und C, an sînem nacke und ob sîme nacke, berücksichtigt werden.) Auch wurde nac gelegentlich als Umschreibung für houbet verstanden,1476 womit weise in L 19,3 zur Annahme der Stirnplattenposition nicht mehr als Pars pro Toto gelesen werden muss, aber kann. Als exakter Platz galt und gilt der mittlere in der obersten Reihe, direkt unter dem Kreuz. Auf der Stirnplatte sind zwölf große Edelsteine (4 Saphire, 3 Phraseme, 4 Amethyste und 1 Spinell, umgeben von kleinen Edelsteinen und Perlen) in drei Längsreihen mit...

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