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Walthers von der Vogelweide «Reichston»

Eine kritische Aufarbeitung der altgermanistischen und historischen Forschungsgeschichte

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Jens Burkert

Das Buch erschließt Altgermanisten wie an Walther als Quelle interessierten Historikern die 200-jährige historische und altgermanistische Forschung zum «Reichston». Keinem anderen Sangspruchton Walthers von der Vogelweide wurde mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit zuteil. Die Forschungsgeschichte zum Thema spiegelt wichtige Etappen der allgemeinen Fachgeschichte. Jens Burkert begnügt sich in seiner Darstellung nicht mit dem Dokumentarischen: Indem Meinungen vernetzt werden, Vergessenes entdeckt wird und Desiderata, Irrtümer oder problematische Argumentationsgrundlagen zur Sprache kommen, wird der Forschungsbericht zugleich zu einem kritischen Forschungskommentar. So entsteht ein neuer Ausgangspunkt für die Betrachtung des wohl wirkmächtigsten Sangspruchtons Walthers.
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III.3 Schlussübersicht zu den Datierungen

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Auf die Erschütterung der Kanzleithese durch Nellmann folgte die der Einheitsthese durch Müller (s. I.2), um es plakativ zu sagen.2243 Müllers Ansatz wurde schon ausführlich vorgestellt – er folgert aus der Überlieferung, den Schreibern von A, B und C habe der „Reichston“ eben nicht „als feste und argumentatorisch fortschreitende Einheit vorgelegen“2244. Zudem sei ein gemeinsamer Vortrag von L 8,28 ff. und L 9,16 ff. wenigstens „zur Zeit ihrer Aktualität“2245 undenkbar. Die Überlieferung und das Aktualitätsgebot für politische Lyrik führen Müller letztlich zu der Vorstellung, Walther habe 1201 L 8,4 ff. und L 9,16 ff. miteinander verbunden und erst in der die ursprünglichen Verhältnisse durchscheinen lassenden Überlieferung (und mehr noch in Lachmanns Mischredaktion) sei der „Reichston“ zu dem geworden, was er in seiner Genese und in den Vorträgen zur Zeit seiner Aktualität nie gewesen sei: eine liedhafte Einheit. (L 9,16 ff. hält Müller im Übrigen für eine eher im Interesse oder sogar in direktem Auftrag eines Fürsten mit staufischer Gesinnung als durch den königlichen Hof selbst veranlasste Strophe.)2246

← 481 | 482 → Müllers Aufsatz ändert zwar in erster Linie die Sicht auf den ganzen Ton und auf die Strophen als Bestandteile des Tons, wirft jedoch auch zu strophenspezifischen Problemen neue Gedanken ab. So stellt Müller Überlegungen an, denen zufolge der die ersten vier Verse in B und C auslassende Strophenbeginn von L 9,16...

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