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Walthers von der Vogelweide «Reichston»

Eine kritische Aufarbeitung der altgermanistischen und historischen Forschungsgeschichte

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Jens Burkert

Das Buch erschließt Altgermanisten wie an Walther als Quelle interessierten Historikern die 200-jährige historische und altgermanistische Forschung zum «Reichston». Keinem anderen Sangspruchton Walthers von der Vogelweide wurde mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit zuteil. Die Forschungsgeschichte zum Thema spiegelt wichtige Etappen der allgemeinen Fachgeschichte. Jens Burkert begnügt sich in seiner Darstellung nicht mit dem Dokumentarischen: Indem Meinungen vernetzt werden, Vergessenes entdeckt wird und Desiderata, Irrtümer oder problematische Argumentationsgrundlagen zur Sprache kommen, wird der Forschungsbericht zugleich zu einem kritischen Forschungskommentar. So entsteht ein neuer Ausgangspunkt für die Betrachtung des wohl wirkmächtigsten Sangspruchtons Walthers.
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Kurze Bemerkung zum Schluss

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Wer sich intensiv mit der Forschungsgeschichte eines derart lange und häufig von der Wissenschaft unter die Lupe genommenen Textes wie Walthers von der Vogelweide „Reichston“ befasst, wird erfahren (und dabei vielleicht überrascht sein), wie viel solch ein Text „verträgt“ und wie wenig doch wirklich ad acta gelegt werden kann. Ganz ähnlich konstatiert Bein in seinem editionsgeschichtlichen Abriss in der neuen Walther-Gesamtausgabe, als „überholt“ könne man wohl nur die Editionskonzepte von Kraus’ und Maurers bezeichnen.2504 Zugleich entziehen sich die Strophen des „Reichstons“ letztlich zu genauen historischen Festlegungen.

Auch wird man die Beobachtung machen, wie viel beim Pendelschlag der Forschungsgeschichte wiederkehrt – unter anderen Vorzeichen, vielleicht terminologisch weniger unbedarft (oder auch terminologisch überfrachteter!). Ob sich dies in einem dialektischen Prozess vollzieht, möchte ich ganz dahingestellt sein lassen, ebenso, wie ich es auch dem Urteil eines jeden Einzelnen überlassen will, ob für den „Reichston“, wie Classen es für Walther insgesamt meint, „die philologische Aufarbeitung der biographischen und text-historischen Fragen weitgehend als abgeschlossen bezeichnet werden dürfte“2505. Von den heute doch gelegentlich begegnenden Ungerechtigkeiten gegenüber der alten Forschung sollte man jedenfalls absehen.

Die „Reichston“-Strophen sind – vereinfachend und „glättend“ gesprochen – ihren langen Weg gegangen von der Erschließung ihrer Textgestalt über Quellenforschungen, biographistische, die zeitgeschichtlichen Bezüge stark in den Vordergrund stellende Ausdeutungen, patriotische Aktualisierungen unterschiedlicher Art, geistesgeschichtliche Exegesen, die Spruch-Lied-Debatte, sozialgeschichtliche (dabei auch sozialistische) Interpretationen, rhetorische und linguistische Analysen, Versuche, der gattungsbedingten Rollengestaltung, der Aufführungssituation und der Überlieferung...

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