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Unwirtliche Landschaften

Imaginationen der Ödnis in Literatur und Medien

Edited By Sabine Eickenrodt and Katarína Motyková

Die Beiträge untersuchen Landschaften wie Wüste, Steppe, Puszta, Nordpol oder Walachei, die den disanthropischen Topos vom «Ende der Welt» aufnehmen. Neuere Erzählungen, Reiseberichte und Filme zeigen die ambivalente Faszinationskraft der Unwirtlichkeit vornehmlich «östlicher» Regionen. Dabei erweist sich die imaginierte Ödnis nicht selten als sekundäre Wildnis, als historisch verschuldete, «kontaminierte» Leere. Die Studien thematisieren Zeit- und Raumbilder sowie Topographien der Ödnis an Beispielen von Leopold von Sacher-Masoch, Per Olof Sundman, Caroline Pichler, Judith Schalansky, Christa Wolf, Christoph Ransmayr, Martin Pollack, Wolfgang Herrndorf, Hans-Ulrich Treichel, Uwe Johnson sowie im Heimatfilm Wolfgang Liebeneiners und in Michael Hanekes Filmapokalypse Wolfzeit.
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Das öde Land. Steppe und Imagination im 19. Jahrhundert

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„Ebene                     

riesiger Schlaf,         

riesig von Träumen“1

Abstract: The article deals with experiences of the Russian steppe, which didn’t gain significance in the aesthetic theory until the 19th century. The aesthetic experience of the steppe in German travel literature differs from the traditional topos of sublimity: The immense plain, an extended vastness of space and a bleak uniformity reduce the viewer’s distance toward the landscape. This post-idealistic sublime correlates partially with contemporary theories and thinking, with notion of pessimistic, materialistic or naturalistic ideas. Passages by Alexander von Humboldt, Johann Georg Kohl, Alexander Petzholdt, Friedemann Goebel, Adelheid Reinbold, Heinrich Laube, Leopold von Sacher-Masoch and Ernst Barlach are discussed.

Der Anblick einer „dem Auge unübersehbaren Ebne“2 gehört zu jenen ästhetischen Grenzerfahrungen erhabener Natur, die im 18. Jahrhundert in der Diskussion der Einbildungskraft (Imagination) als eines Vermögens, diffuse Sinnesdaten zu konfigurieren und Abwesendes als quasi real vorzustellen, regelmäßig als Beispiel herangezogen werden. So erörtert Joseph Addison 1712 in Hinblick auf weite Landschaften und Wüsten das Vergnügen der Einbildungskraft an großen und unermesslichen Gegenständen, das er auf den damit verbundenen psychologischen Aktivierungsprozess zurückführt: Die Einbildungskraft „schnappet gern nach einer Sache, die für deren Fähigkeit zu groß ist“,3 weil sie sich an derartigen Herausforderungen zu erweitern und in ihrem Potential zu erweisen vermag. ← 49 | 50 → Deshalb kann etwa die „Unermeßlichkeit“ einer Landschaft für die Seele zu einem...

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