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Unwirtliche Landschaften

Imaginationen der Ödnis in Literatur und Medien

Edited By Sabine Eickenrodt and Katarína Motyková

Die Beiträge untersuchen Landschaften wie Wüste, Steppe, Puszta, Nordpol oder Walachei, die den disanthropischen Topos vom «Ende der Welt» aufnehmen. Neuere Erzählungen, Reiseberichte und Filme zeigen die ambivalente Faszinationskraft der Unwirtlichkeit vornehmlich «östlicher» Regionen. Dabei erweist sich die imaginierte Ödnis nicht selten als sekundäre Wildnis, als historisch verschuldete, «kontaminierte» Leere. Die Studien thematisieren Zeit- und Raumbilder sowie Topographien der Ödnis an Beispielen von Leopold von Sacher-Masoch, Per Olof Sundman, Caroline Pichler, Judith Schalansky, Christa Wolf, Christoph Ransmayr, Martin Pollack, Wolfgang Herrndorf, Hans-Ulrich Treichel, Uwe Johnson sowie im Heimatfilm Wolfgang Liebeneiners und in Michael Hanekes Filmapokalypse Wolfzeit.
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„Der Ort blieb leer und wüst“. Unwirtliche Landschaften als Orte der Zuflucht bei deutschsprachigen Autorinnen um 1800

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Abstract: This paper examines the representation of deserted landscapes as stalactite caves, grotto and the Hungarian Puszta in autobiographical travelogues and poems by Caroline Pichler (1769–1843), Therese von Artner (1772–1829) and Helmina von Chézy (1783–1856). The literary landscapes of these female authors seem to be an emotional ,mirror‘ of social exclusion and unfulfilled ambitions around 1800. As landscapes traditionally deemed inhospitable in these texts they receive a new function. At the same time they might be read as female ‚places‘ of refuge. Thus the scenic wasteland in these texts is connoted highly ambivalent: As the imagination of the ‚other‘ it gains a culture critical function – allowing alternative female life concepts.

1.  Einleitung

Gibt man in eine Suchmaschine das Begriffspaar unwirtliche Landschaft ein, werden Fotos von rauen Landschaften gezeigt wie etwa Wüste, Steppe, Polarlandschaft, karge Steinlandschaften, kahle Bäume, Hausruinen, aber auch eine Mondlandschaft. Sogar eine Internetreportage wird in diesem Zusammenhang ‚ausgeworfen‘, die über einen Amoklauf in Stuttgart 2005 berichtet und mit der folgenden Schlagzeile übertitelt ist: „D-Landlied 30/ Der Sonntagnachmittag ist eine unwirtliche Landschaft, an deren Wegen Trauer wächst“. Im Deutschen Universalwörterbuch der Dudenredaktion ist unter dem Begriff ,unwirtlich‘ Folgendes nachzulesen: „zum Aufenthalt nicht einladend, dem Wohlbefinden nicht zuträglich, ungastlich“.1 Im online-Thesaurus von Wikipedia wird Ähnliches angeführt: „nicht zum Bleiben/Verweilen einladend“.2 Unwirtlich bedeutet also, dass eine Landschaft ein fruchtbares, vegetatives und Schutz bietendes Leben zu entbehren scheint. ← 193 | 194 →

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