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Gotik ohne Gott?

Die Symbolik des Kirchengebäudes im 19. Jahrhundert

Wojciech Balus

Der Autor befasst sich mit der bisher nur wenig erforschten Symbolik der sakralen Architektur des Historismus. Er konzentriert sich dabei auf die unbekannten Druckquellen aus dem 19. Jahrhundert, die zeigen, dass auch in dieser Epoche die Kirchenbaukunst ein Bedeutungsträger war. Ziel der christlichen Kunst war, die konfessionelle Prägung sowohl in der Form einer Kirche als auch in der Ikonographie zu manifestieren. Der Stil wurde als Abdruck einer Weltanschauung in der Materie des Kunstwerks verstanden. Aus diesem Grund postulierte man, die Errungenschaften des Mittelalters aufzugreifen. Man nahm an, dass in diesem ausschließlich das christliche Gedankengut die Weltanschauung bestimmt habe, die Stile deswegen den religiösen Geist vollkommen zum Ausdruck gebracht hätten und die Ikonographie ideal, dogmatisch korrekt und inhaltsreich gewesen sei.
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IV. Auf der Suche nach einer allgemeingültigen Grundlage

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Kapitel IV Auf der Suche nach einer allgemeingültigen Grundlage

Abkehr von der Universalität der klassischen Kunst

In dem bereits erwähnten Beitrag Über die moderne deutsche Sakralmalerei skizzierte Adam Mickiewicz die Wandlungen in der christlichen Malerei seit dem Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Das Hauptmotiv seines Textes ist der Kontrast zwischen der heidnischen und der christlichen Kunst. Die christliche Kunst war nach Meinung des Dichters ein Produkt des Mittelalters. „Fromme Maler“ schöpften damals „ihre Inspiration aus dem Gebet, die Themen für ihre Gemälde aus dem Evangelium und Vorbilder dafür suchten sie in der unsichtbaren Welt“1. Das 16. Jahrhundert brachte das Ende dieser Kulturformation. Obwohl die Kunst noch „unter dem Pinsel Raffaels […] den Höhepunkt ihrer Vollkommenheit erreichte“ und „die Meisterwerke des großen Malers als Vorbilder der christlichen Malerei gelten“, so „beginnt dennoch gleichzeitig der allgemeine Widerstand gegen den Geist und die Werke des Mittelalters, das heißt des Christentums“2. Diese Umkehr hatte ihre Grundlage in der Verehrung der Antike:

Die Bewunderung für antike Monumente, zu der sich Päpste bekannten, wurde – angefacht durch Gelehrte – Mode, ein besessener Gedanke dieser Zeit. Man suchte nach Statuen und Reliefs, kaufte sie um jeden Preis auf und renovierte. Zu diesem Zweck räumte man Ruinen von Tempeln und Zirkussen ab, öffnete Gräber. Man beschwor den heidnischen Geist und dieser Geist fügte sich gehorsam den neuen Beschwörern. Allmählich erschien wieder...

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