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Der andere Islam

Kultur, Identität und Demokratie Aus dem Französischen übersetzt und eingeleitet von Hans Jörg Sandkühler

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Fethi Meskini

Das Buch, einem modernen Islam verpflichtet, ist von aktueller Brisanz: Gegen die voreilige Identifizierung von Islam, Islamismus und Terrorismus ist Aufklärung über die islamisch-arabischen religiösen und politischen Kulturen notwendig. Der Autor fragt nach der Universalisierbarkeit bzw. Universalität von Normen und Werten, nach der Autonomie eines von Unterdrückung befreiten muslimischen «Selbst» und nach einer post-islamischen Identität. Er fordert Freiheit im Glauben und eine im Rahmen einer Ethik der Sorge, guten Nachbarschaft und Hospitalität artikulierte Toleranz. Sein Ziel ist eine von allgemeinem Gerechtigkeitswillen bestimmte Demokratie, in der Konflikte zwischen Gläubigen und Laizisten durch die Befähigung zum Sich-Übersetzen in der Perspektive des Anderen gelöst werden können.
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Vorwort des Autors Denken-mit, gute Nachbarschaft pflegen, Besucher sein

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»Wir haben euch […] erschaffen, […] damit ihr einander kennenlernt.« Der Koran, Sure 49, Vers 13.

»Ohne Großzügigkeit (jud) kein Sein (wujud)« Ibn ’Arabi, Enthüllungen der mystischen Reisen

»Like a procession you walk together towards your god-self. You are the way and the wayfarers«. Kahlil Gibran, The Prophet, ›On Crime & Punishment’‹

»Mein Weggefährte! Wo bist Du? Singe für mich, mein Weggefährte. Singen bewahrt uns vor dem Zauberer.« Abul Qacem Chebbi, Gesänge des Lebens

Seit dem Aufkommen des Kolonialismus haben sich die Grenzen des menschlichen Geistes verschoben; das Denken hat sich in einen Krieg der Begriffe, Traditionen und Interpretationen verwandelt. Ist man hinsichtlich der Moderne nicht antimodern, gegen sie, ohne sie, vormodern, über hinaus sie hinaus, übermodern, submodern, postmodern, paramodern, ultramodern oder entmodernisiert, so nimmt man die Gestalt einer atypischen, nicht verstehbaren, abgekoppelten und letztlich unheilbaren Persönlichkeit an, und dies mit der Folge, dass ihr die Unschuld des Anderen abgesprochen wird. Anders ist jeder, der sich in der Welt anders einrichtet und nicht gute Miene zum bösen Spiel macht. Nichts zu tun genügt schon; schon die einfachste menschliche Geste könnte als Ausdruck einer falschen Färbung wirken und dazu führen, dass man vom gemeinsamen Territorium ausgeschlossen wird. Alle modernen Völker haben vergleichbare Schicksale erlitten: Zu kolonisieren oder kolonisiert zu werden sind gleichermaßen Ausnahmezustände, in denen das Selbst einer Kultur zum Feind wird, ohne Wissen über sich daherredet...

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