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Der andere Islam

Kultur, Identität und Demokratie Aus dem Französischen übersetzt und eingeleitet von Hans Jörg Sandkühler

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Fethi Meskini

Das Buch, einem modernen Islam verpflichtet, ist von aktueller Brisanz: Gegen die voreilige Identifizierung von Islam, Islamismus und Terrorismus ist Aufklärung über die islamisch-arabischen religiösen und politischen Kulturen notwendig. Der Autor fragt nach der Universalisierbarkeit bzw. Universalität von Normen und Werten, nach der Autonomie eines von Unterdrückung befreiten muslimischen «Selbst» und nach einer post-islamischen Identität. Er fordert Freiheit im Glauben und eine im Rahmen einer Ethik der Sorge, guten Nachbarschaft und Hospitalität artikulierte Toleranz. Sein Ziel ist eine von allgemeinem Gerechtigkeitswillen bestimmte Demokratie, in der Konflikte zwischen Gläubigen und Laizisten durch die Befähigung zum Sich-Übersetzen in der Perspektive des Anderen gelöst werden können.
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Gestalten der Menschheit

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Heute im Plural über ›Gestalten‹ der Menschheit zu sprechen und so dazu einzuladen, das Menschliche in seiner Pluralität zu denken, ist eine ganz neuartige Geste – gerade so, als sei eine Verpflichtung getilgt und durch eine neue ersetzt: weder im Namen der Universalität der Ideen die transzendentale Abstraktion einer menschlichen Gattung, deren Gehalt streng normativ bleibt, verteidigen, noch sich – gestützt auf die Partikularität der Sitten – nostalgisch damit begnügen, in der Rasse oder Kultur, in der man geboren ist, seinen Ort zu finden; stattdessen sich dafür engagieren, die Lebensbedingung der Menschen zu überprüfen, und zwar unabhängig von jeglichem vorweg zu etwas verpflichtenden humanistischen Vorurteil (›die menschliche Natur‹, der Mensch als ›Herr und Besitzer der Natur‹, Anthropomorphismus, Anthropozentrismus etc.).

Manche beginnen tatsächlich, sich seltsam scheinende Fragen zu stellen: Wäre die Idee der Menschheit nicht letztlich doch ein partikuläres kulturelles Vorurteil? Wie soll man philosophisch eine Allgemeine Erklärung der kulturellen Diversität verteidigen? Gibt es im Zeitalter der Organverpflanzung, des Klonens und der genetischen Manipulation noch eine Zukunft für den Begriff einer ›menschlichen Natur‹?

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist ein Dilemma entstanden: Wie soll man philosophisch zugleich die Einheit des Menschlichen und die Verschiedenheit der menschlichen Gestalten rechtfertigen? Zwei Thesen hatten sich im Raum der Debatten dieser Epoche etabliert: Aufklärung und Romantik. Die erstere verteidigte getreu dem modernen Projekt der Vernunft die Idee der einen universellen Menschheit, während die letztere – Partisanin...

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