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«Ärgernis» und «moderner Klassiker»

Zur Autorenrolle Wolfgang Koeppens in der Literatur nach 1945

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Onur Kemal Bazarkaya

Onur Bazarkaya befasst sich mit der Person Wolfgang Koeppens, dessen literarisches Werk von einer starken, durch lange Publikationspausen bedingten Disparität gekennzeichnet ist. Er fragt nach der Autorenrolle, die Koeppen in der Literatur nach 1945 gespielt hat und die bisher in der Forschung kaum behandelt wurde, die aber gleichwohl einen Einfluss auf die Koeppen-Rezeption ausübte. Ab einem bestimmten Zeitpunkt musste der Autor Koeppen anscheinend nichts mehr veröffentlichen, um erfolgreich zu sein. Auf literatursoziologischer Basis beschreibt Bazarkaya, inwiefern bei Koeppen die Autorinszenierung (zu der auch sein «Schweigen» gehörte) von verschiedenen literarischen Systemprozessen und Positionierungen abhing, und wie seine Rolle schließlich eine Eigendynamik entwickelte.
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3. Koeppens Außenseiterrolle

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3.  Koeppens Außenseiterrolle

3.1 Koeppens nonkonformistische Anfänge

Durch seine Nachkriegstrilogie erwarb sich Koeppen den Ruf eines Schriftstellers, der das Ärgernis nicht scheut und gesellschaftspolitische Missstände beim Namen nennt. Die literarischen Anfänge des Autors waren jedoch alles andere als nonkonformistisch. 1934 debütierte er mit einem Roman, der von einer sprunghaften Schauspielerin handelt, die die „Validierung der Selbstdarstellung“247 (Niklas Luhmann) des sie Anbetenden durchaus nicht vornehmen möchte und ihn dadurch in Atem hält. Am Ende, einem wehmütigen Ende fürwahr, bleibt zwischen Friedrich und Sybille alles beim Alten: „Sie lachten beide, und sie wußten, daß nichts sich geändert hatte, und daß die Wand aus dünnstem Glas, durchsichtig wie die Luft und vielleicht noch schärfer die Erscheinung des anderen wiedergebend, zwischen ihnen bestehen blieb.“248

Für den jungen Autor änderte sich die Lage aber schon. Von der reichsdeutschen Presse wurde Eine unglückliche Liebe überaus freundlich aufgenommen. Herbert Ihering bejubelte das Erstlingswerk als „Versprechen eines Dichters“ und „herrliches Buch“.249 Die Magdeburgische Zeitung lobte Koeppens Stil und Figurenzeichnung: „Wirbelnd und virtuos entfesselt Koeppen mit der Leichtigkeit, die ihm zur Verfügung steht, eine Fülle von Bildern. Seine Heldin Sybille behauptet sich in einem immer eindringlicheren Bildnis, dessen unbändiges Wesen Koeppen bis zu faszinierender Wirkung geglückt ist.“250 Und in der Kölnischen Zeitung wurde Koeppens Buch als solitäre Neuerscheinung gefeiert: „Der Erstlingsroman eines jungen Schriftstellers, der sich durch die...

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