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«Ärgernis» und «moderner Klassiker»

Zur Autorenrolle Wolfgang Koeppens in der Literatur nach 1945

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Onur Kemal Bazarkaya

Onur Bazarkaya befasst sich mit der Person Wolfgang Koeppens, dessen literarisches Werk von einer starken, durch lange Publikationspausen bedingten Disparität gekennzeichnet ist. Er fragt nach der Autorenrolle, die Koeppen in der Literatur nach 1945 gespielt hat und die bisher in der Forschung kaum behandelt wurde, die aber gleichwohl einen Einfluss auf die Koeppen-Rezeption ausübte. Ab einem bestimmten Zeitpunkt musste der Autor Koeppen anscheinend nichts mehr veröffentlichen, um erfolgreich zu sein. Auf literatursoziologischer Basis beschreibt Bazarkaya, inwiefern bei Koeppen die Autorinszenierung (zu der auch sein «Schweigen» gehörte) von verschiedenen literarischen Systemprozessen und Positionierungen abhing, und wie seine Rolle schließlich eine Eigendynamik entwickelte.
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5. Koeppens Entwicklung zum „modernen Klassiker“

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5.  Koeppens Entwicklung zum „modernen Klassiker“

5.1 Die Meisterporträts: „Versuch Wolfgang Koeppens, […] von sich selbst zu sprechen“

Als die literarische Öffentlichkeit das dritte Reisebuch abgelehnt und einen neuen Roman gefordert hatte, nahm Koeppen die Arbeit an seinem Großprojekt wieder auf. Allerdings hatte er den Titel Die Eulenspiegel verworfen, da ihm ein anderer eingefallen war, den er wieder mit einem anderen ersetzte. Für das Publikum war es schwer, hier auf dem Laufenden zu bleiben. Bald hieß es, Koeppen arbeite an Ein Maskenball, bald wurde der Titel Die Scherzhaften genannt, bald wurde vom Verlag In Staub mit allen Feinden Brandenburgs angekündigt,639 eine Fehlankündigung, wie sich später herausstellte. Dies war im Übrigen weder das erste noch das letzte Mal, dass Koeppen die mit Unseld vereinbarte Frist hinauszögerte. Der häufige Wechsel der Arbeitstitel und die noch häufigeren Absagen an den Verleger vermitteln einen kleinen Eindruck davon, wie der Autor seine rastlose Suche nach dem richtigen Ton zu inszenieren wusste.

Im Februar 1974, als der Schreibprozess an einem neuen Tiefpunkt angelangt war, erhielt Koeppen ein briefliches Angebot von Reich-Ranicki. 1965 waren die beiden schon einmal in Kontakt getreten. Damals hatte der Autor zugesagt, für eine in Arbeit befindliche Anthologie des Kritikers eine kurze Erzählung beizusteuern, sein Versprechen jedoch nicht gehalten.640 Neun Jahre hatte er offenbar in dem Glauben gelebt, Reich-Ranicki habe ihn aus diesem Grund „verstoßen“641. Ein Verriss des Kritikers von 1973 schien dies zu...

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