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«Ärgernis» und «moderner Klassiker»

Zur Autorenrolle Wolfgang Koeppens in der Literatur nach 1945

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Onur Kemal Bazarkaya

Onur Bazarkaya befasst sich mit der Person Wolfgang Koeppens, dessen literarisches Werk von einer starken, durch lange Publikationspausen bedingten Disparität gekennzeichnet ist. Er fragt nach der Autorenrolle, die Koeppen in der Literatur nach 1945 gespielt hat und die bisher in der Forschung kaum behandelt wurde, die aber gleichwohl einen Einfluss auf die Koeppen-Rezeption ausübte. Ab einem bestimmten Zeitpunkt musste der Autor Koeppen anscheinend nichts mehr veröffentlichen, um erfolgreich zu sein. Auf literatursoziologischer Basis beschreibt Bazarkaya, inwiefern bei Koeppen die Autorinszenierung (zu der auch sein «Schweigen» gehörte) von verschiedenen literarischen Systemprozessen und Positionierungen abhing, und wie seine Rolle schließlich eine Eigendynamik entwickelte.
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6. Koeppens Autonomieverlust und die Eigendynamik seiner Rolle

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6.  Koeppens Autonomieverlust und die Eigendynamik seiner Rolle

6.1 Der Autonomieverlust

Koeppens Rollenkonflikt wurde, wie gesehen, nie wirklich auf-, sondern lediglich von neuen systemischen Herausforderungen abgelöst. Indes erschwerten sie nur die Arbeit am Prosafragment Jugend, mit dem der Autor auf sie reagierte. Als es publiziert worden war, dankte er Unseld „für das Buch, für hoffentlich kommende vier Teile, für Geduld und Freundschaft“772. Jugend war als erstes von fünf Teilen geplant, aus denen sich der „große Roman“ zusammensetzen sollte. Angesichts dieses Umstands stellt sich die Frage, warum Koeppen die bei der Konzeption des Prosafragments gefundene Kommunikationsstrategie nicht weiterverfolgte und die „kommende[n] vier Teile“ tatsächlich schrieb. Der nie erscheinende „große Roman“ bildet gleichsam eine strukturelle Lücke seines Werks, die seine Produktion bzw. Rollenentwicklung bestimmte. Beispielsweise modifizierte er seine Rolle nicht zuletzt im Hinblick auf dieses geplante Hauptwerk. Da der „große Roman“ also dermaßen mit bestimmten, den Autor betreffenden Literaturprozessen zusammenhängt, ist es nicht müßig, sich näher mit der Frage zu befassen, warum nach der Veröffentlichung seines Jugend betitelten ersten Teils die „kommende[n] vier Teile“ ausblieben.

„Er sei Klassiker, und damit tot, und man erwarte nichts mehr von ihm“, soll Koeppen an seinem siebzigsten Geburtstag gesagt haben. In Wirklichkeit wusste er sehr wohl um die Erwartungen an ein neues Buch von ihm im Allgemeinen und seinen „großen Roman“ im Besonderen. Fast in jedem Interview brachte ihn die Frage...

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