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Der Erste Weltkrieg

Ostmitteleuropäische Einblicke und Perspektiven

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Monika Kucner, Elżbieta Katarzyna Dzikowska and Agnieszka Godzisz

Der Band nimmt lokale Perspektiven des Ersten Weltkriegs, insbesondere der ostmitteleuropäischen Regionen, in den Blick. Die Beiträge berücksichtigen dabei besonders die multiethnische Gemengelage und die durch den Ersten Weltkrieg ausgelösten Konflikte in den regionalen Lebenswelten. Die Spannungen in den multiethnisch geprägten Gebieten ließen das bereits vor 1914 labil gewordene Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen nicht allein an der österreichisch-italienischen Grenze, sondern auch in vielen weiteren Gebieten Ostmitteleuropas aus der Balance geraten. Anders als im Westen Europas war die Heimatfront im Osten im Wesentlichen durch den Bewegungskrieg und zahlreiche Wechsel von militärischen Besatzern geprägt. Die Situation in den unmittelbaren Kampfgebieten und in der Nähe der militärischen Fronten unterschied sich somit deutlich von den Bedingungen an der Westfront.
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Küstenland: Kriegsalltag in Görz-Gradisca

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Der Erste Weltkrieg stellte das Küstenland1 vor zahlreiche Herausforderungen, wobei in Görz-Gradisca primär die Nähe zur Iszonofront und die teilweise Besetzung durch italienische Truppen die Rahmenbedingungen vorgaben. Dabei prägen Elend und Flucht die Lebensbedingungen in Frontnähe, während Gewalterfahrungen und psychische Belastungen die Besetzungszonen dominieren.2 Obwohl diesbezügliche Untersuchungen generell noch rar sind, belegen existente Ergebnisse Gewalt und Isolation der Bevölkerung.3 So betont auch der italienische Historiker Matteo Ermacora die „harsh living conditions“4 während der österreichischen Besetzung von Friaul. Zum Trauma der Okkupation kam häufig der Zwang, an der feindlichen Kultur zu partizipieren.5 Davon legen zeitgenössische slovenische Berichte Zeugnis. Auch im besetzten Görz herrschte Gewalt. Neben den Nationalisierungsversuchen kam es aber gelegentlich auch zur Verbrüderung.6

Die Okkupation rund der Hälfte der Grafschaft Görz-Gradisca teilte die Bevölkerung und führte zu divergierenden Kriegserfahrungen. Folglich war die Zivilbevölkerung auch Adressat für unterschiedliche Propaganda und wurde mit unterschiedlicher Motivation mobilisiert. Untrennbar verbunden mit der Bedrohung durch Krieg und Besatzer ist das Schicksal von Kriegsflüchtlingen, ← 23 | 24 → das in den letzten Jahren in exzellenten Studien für Görz-Gradisca aufgearbeitet wurde.7

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