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Der Erste Weltkrieg

Ostmitteleuropäische Einblicke und Perspektiven

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Edited By Monika Kucner, Elżbieta Katarzyna Dzikowska and Agnieszka Godzisz

Der Band nimmt lokale Perspektiven des Ersten Weltkriegs, insbesondere der ostmitteleuropäischen Regionen, in den Blick. Die Beiträge berücksichtigen dabei besonders die multiethnische Gemengelage und die durch den Ersten Weltkrieg ausgelösten Konflikte in den regionalen Lebenswelten. Die Spannungen in den multiethnisch geprägten Gebieten ließen das bereits vor 1914 labil gewordene Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen nicht allein an der österreichisch-italienischen Grenze, sondern auch in vielen weiteren Gebieten Ostmitteleuropas aus der Balance geraten. Anders als im Westen Europas war die Heimatfront im Osten im Wesentlichen durch den Bewegungskrieg und zahlreiche Wechsel von militärischen Besatzern geprägt. Die Situation in den unmittelbaren Kampfgebieten und in der Nähe der militärischen Fronten unterschied sich somit deutlich von den Bedingungen an der Westfront.
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‚Zwischen den Nationen‘. Annette Kolb und der Erste Weltkrieg in Briefen einer Deutsch-Französin

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Dass Annette Kolb der ehrlichen Überzeugung war, der Erste Weltkrieg treffe sie tief, vielleicht tiefer als andere, steht in engem Zusammenhang mit ihrer Herkunft. Die Münchner Schriftstellerin (1870–1967),1 Tochter eines deutschen Gartenarchitekten und einer französischen Konzertpianistin, hat sich stets als zwischen zwei Nationen stehend und beiden (was auch bedeutet: keiner ausschließlich) zugehörig empfunden, und zwar in einem Maße, dass sie diese Eigenschaft auch allen weiblichen Hauptfiguren ihrer Werke einschreibt, unmittelbare Widerspiegelungen ihres Selbst.2 Die Kollision der europäischen Staaten im Ersten Weltkrieg, insbesondere ihrer beiden Heimatländer Deutschland und Frankreich, kam für sie dementsprechend als ein Schock, nachgerade als eine persönliche Katastrophe. ← 73 | 74 →

Dabei hatte sie schon lange vorher, spätestens seit Beginn des Jahrzehnts, vor der drohenden Konfrontation gewarnt, etwa im Roman Das Exemplar (1913), wo die Reise einer Münchnerin nach England und Irland im Mittelpunkt steht. In etlichen Gesprächen wird dort die Kriegsgefahr thematisiert, oft in einem Ton zwischen Verdrängung und böser Vorahnung: „War es denkbar, dass in einem täglich kleiner werdenden Erdteil stammverwandte Völker […] allen Ernstes daran dachten, sich zu bekriegen?“3 Ausgerechnet am Tag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges erschien dann der Essayband Wege und Umwege,4 in dem Voraussagen zu finden sind, deren Wahrheitsgehalt sich für die ersten Leser des Buches bereits unter Beweis gestellt hatte. Mit folgenden Worten etwa beginnt der dort erschienene Essay Ballonfahrt:

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