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Der Erste Weltkrieg

Ostmitteleuropäische Einblicke und Perspektiven

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Edited By Monika Kucner, Elżbieta Katarzyna Dzikowska and Agnieszka Godzisz

Der Band nimmt lokale Perspektiven des Ersten Weltkriegs, insbesondere der ostmitteleuropäischen Regionen, in den Blick. Die Beiträge berücksichtigen dabei besonders die multiethnische Gemengelage und die durch den Ersten Weltkrieg ausgelösten Konflikte in den regionalen Lebenswelten. Die Spannungen in den multiethnisch geprägten Gebieten ließen das bereits vor 1914 labil gewordene Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen nicht allein an der österreichisch-italienischen Grenze, sondern auch in vielen weiteren Gebieten Ostmitteleuropas aus der Balance geraten. Anders als im Westen Europas war die Heimatfront im Osten im Wesentlichen durch den Bewegungskrieg und zahlreiche Wechsel von militärischen Besatzern geprägt. Die Situation in den unmittelbaren Kampfgebieten und in der Nähe der militärischen Fronten unterschied sich somit deutlich von den Bedingungen an der Westfront.
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Vorwort

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„Ende Juli. Eine Fliege stirbt: Weltkrieg. Das Grammophon hat sich schon durch viele Abendstunden gearbeitet. Rosa wir fahr’n nach Lodz, Lodz, Lodz (…) In den Köpfen wölkt Traurigkeit und Tanz.“

(Robert Musil, Tagebuch 1915)

Die Spannungen in den multiethnisch geprägten Gebieten ließen das bereits vor 1914 labil gewordene Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen nicht allein an der österreichisch-italienischen Grenze, sondern auch in vielen weiteren Gebieten Ostmitteleuropas schwanken und mit der Zeit aus der Balance geraten. Anders als im Westen Europas war die Definition der Heimatfront im Osten im wesentlichen durch den Bewegungskrieg geprägt. Zahlreiche Wechsel von militärischen Besatzern prägten den Raum. Die Situation in den unmittelbaren Kampfgebieten und in der Nähe der militärischen Fronten im Osten unterschied sich somit wesentlich von den Bedingungen an der Westfront. Der Krieg in Ostmitteleuropa forderte mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung als es in den okkupierten Regionen an der Westfront der Fall war, wovon die entsprechenden Kriegsstatistiken ein beredtes Zeugnis ablegen. Die Menschen im Westen Europas hungerten, wurden gedemütigt und der politischen oder persönlichen Freiheit beraubt. Zum Alltag der Zivilbevölkerung im Osten gehörten dagegen Pogrome, Deportationen, Vertreibungen und Flucht. Die Unterschiede zwischen den Lebenswelten an der West- und an der Ostfront entzogen sich relativ häufig der Wahrnehmung, insbesondere dann, wenn der Blick des teilnehmenden westlichen Beobachters von den Archiven seines eigenen Kulturwissens vorgeprägt wurde, samt deren in der Forschung vielfach beschriebenen weißen...

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