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Kriminalisierung des ambulanten Gewerbes

Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im späten Kaiserreich und in der Weimarer Republik

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Juliane Tatarinov

Das Buch behandelt aus akteurszentrierter Sicht Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im Kaiserreich und in der Weimarer Republik im Raum Trier und Koblenz. Wer wurde unter dem Begriff «Zigeuner» verfolgt? Welche Antriebskräfte waren für die Verfolgung von «Zigeunern» vor dem Nationalsozialismus maßgebend? Nicht nur Konflikte und Schwierigkeiten der Verwaltung bei der Ausführung der sogenannten «Bekämpfung des Zigeunerunwesens» werden ausführlich behandelt, sondern die Betroffenen selbst als Akteure in den Blick genommen. Besonderes Augenmerk legt die Autorin darauf, dass die Zuschreibung weder an der Staatsangehörigkeit noch am äußeren Erscheinungsbild von Personen festgemacht wurde, sondern vielmehr Personen betraf, die prekären ambulanten Erwerbsformen nachgingen.
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1. Wandergewerbe und ländliche Armut

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1.1 Geographische und sozioökonomische Rahmenbedingungen im Untersuchungsgebiet

Die Regierungsbezirke Trier und Koblenz galten im Kaiserreich und in der Weimarer Republik als das „Armenhaus Preußens“.87 Die ländliche Bevölkerung der südlichen Rheinprovinz musste aufgrund großer Armut und fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten häufig auf Hausier- und Heimgewerbe im Zuge von Substistenzwirtschaft zurückgreifen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Der seit den 1880er Jahren von Behörden und Politikern oft bemühte Vorwurf der ‚Arbeitsscheu‘ und Landstreicherei gegenüber Wandergewerbetreibenden hatte mit den wirtschaftlichen Realitäten, wie sie etwa im Untersuchungsgebiet vorherrschten, wenig zu tun.

Geographisch gesehen lag die Ursache für die wirtschaftlichen Probleme des Bezirks in den schlechten naturräumlichen Bedingungen. Die kargen und rauen Gebirgszüge von Eifel und Hunsrück, die von der Mosel durchschnitten werden, dominieren in weiten Teilen das Landschaftsbild der Region und lassen keine intensive landwirtschaftliche Nutzung zu. Lediglich Milchviehhaltung und Holzwirtschaft war auf den Höhenzügen möglich.88 Die Steillagen und die dünne Bodendecke auf dem felsigen Untergrund an den Ufern der Mosel eigneten sich ausschließlich für den Weinbau. Die Wittlicher Senke im Süden der Eifel bot mit ihren guten Böden immerhin die Möglichkeit zum Anbau von Tabak, Getreide, Obst und Gemüse.89

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