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Kriminalisierung des ambulanten Gewerbes

Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im späten Kaiserreich und in der Weimarer Republik

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Juliane Tatarinov

Das Buch behandelt aus akteurszentrierter Sicht Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im Kaiserreich und in der Weimarer Republik im Raum Trier und Koblenz. Wer wurde unter dem Begriff «Zigeuner» verfolgt? Welche Antriebskräfte waren für die Verfolgung von «Zigeunern» vor dem Nationalsozialismus maßgebend? Nicht nur Konflikte und Schwierigkeiten der Verwaltung bei der Ausführung der sogenannten «Bekämpfung des Zigeunerunwesens» werden ausführlich behandelt, sondern die Betroffenen selbst als Akteure in den Blick genommen. Besonderes Augenmerk legt die Autorin darauf, dass die Zuschreibung weder an der Staatsangehörigkeit noch am äußeren Erscheinungsbild von Personen festgemacht wurde, sondern vielmehr Personen betraf, die prekären ambulanten Erwerbsformen nachgingen.
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2. Diskurse und Maßnahmen: Zigeuner- und Wandergewerbepolitik zu Beginn des 20. Jahrhunderts

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand aus normativer Sicht eine auf Repression angelegte Zigeuner- und Wandergewerbepolitik, die durch eine Vielzahl von Verordnungen umgesetzt wurde. Dieses Kapitel fragt, wie es zu der großen Anzahl von Richtlinien gegen Zigeuner gekommen ist und welche Prozesse und Diskurse das polizeiliche Handeln geprägt haben. Es lassen sich vier maßgebliche Felder identifizierten, die das Verwaltungshandeln vor Ort beeinflusst haben. Diese umfassen zum einen den rassenanthropologischen und kriminalbiologischen Wissenschaftsdiskurs über die angeblich charakteristischen Eigenschaften von Zigeunern. Zum anderen spielt die Interessenspolitik von Reich und Ländern hinsichtlich der Ausgestaltung und Zuständigkeit der Polizei eine große Rolle. Weiterhin verstärkten Einflüsse der Armenpolitik althergebrachte Verhaltensmuster des polizeilichen Handelns und schließlich müssen die Faktoren der Gewerbepolitik mit dem Ziel, das Wandergewerbe zugunsten nicht-mobiler Geschäftsmodelle zu unterbinden, genauer betrachtet werden.

2.1 Zigeunerpolitik im Zeichen des anthropologischen und kriminalbiologischen Zigeunerdiskurses

In den preußischen Verordnungen zur ‚Bekämpfung des Zigeunerunwesens‘ Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Zigeuner als von Natur aus kriminell und andersartig in ihrer Lebensweise charakterisiert. So hieß es in der maßgeblichen preußischen „Anweisung zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ von 1906:

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