Show Less
Restricted access

Kriminalisierung des ambulanten Gewerbes

Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im späten Kaiserreich und in der Weimarer Republik

Series:

Juliane Tatarinov

Das Buch behandelt aus akteurszentrierter Sicht Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im Kaiserreich und in der Weimarer Republik im Raum Trier und Koblenz. Wer wurde unter dem Begriff «Zigeuner» verfolgt? Welche Antriebskräfte waren für die Verfolgung von «Zigeunern» vor dem Nationalsozialismus maßgebend? Nicht nur Konflikte und Schwierigkeiten der Verwaltung bei der Ausführung der sogenannten «Bekämpfung des Zigeunerunwesens» werden ausführlich behandelt, sondern die Betroffenen selbst als Akteure in den Blick genommen. Besonderes Augenmerk legt die Autorin darauf, dass die Zuschreibung weder an der Staatsangehörigkeit noch am äußeren Erscheinungsbild von Personen festgemacht wurde, sondern vielmehr Personen betraf, die prekären ambulanten Erwerbsformen nachgingen.
Show Summary Details
Restricted access

Schlussbetrachtung

Extract



Die vorliegende Arbeit behandelte Zigeuner- und Wandergewerbepolitik aus regionalhistorischer Perspektive. Dabei bildete die Feststellung, dass die lokale Polizei zwischen Zigeunern und Wandergewerbetreibenden nicht zweifelsfrei unterscheiden konnte, den Ausgangspunkt der Untersuchung. Die Frage lautete: Wer wurde als Zigeuner während des späten Kaiserreichs und der Weimarer Republik verfolgt und welche Auswirkung hatte diese Zuschreibung auf die Betroffenen?

Die Untersuchung hat gezeigt, dass sich der Begriff des ‚Zigeuners‘ im Laufe des Untersuchungszeitraums mit dem des ‚Wandergewerbetreibenden‘ überlagerte und eine Vielzahl von mobilen Lebensformen umfasste. Die Grenzziehungen um den Begriff ‚Zigeuner‘ waren in den verschiedenen Aushandlungsprozessen nicht eindeutig und andere arme, mobile Lebensformen wurden diesbezüglich immer wieder verhandelt. Dies geschah nicht nur im normativen Diskurs der Polizei und der Parlamentarier, sondern auch ganz praktisch auf lokaler Ebene. Gewerbegesetze und Zigeunerverordnungen legitimierten, wechselseitig aufeinander Bezug nehmend, den Ausschluss mobiler Gewerbetreibender im Zuge der exkludierenden Wirkung dieser Begriffe in den verschiedenen Kommunikationsbereichen. Auf der Basis dieser Verordnungslage übernahmen die Landjäger im ländlichen Raum zur Zeit der Weimarer Republik zunehmend Aufgaben der Gewerbeaufsicht und der Zigeunerpolizei. Sie richteten in beiden Bereichen ihre Aufmerksamkeit auf den gleichen Personenkreis.

Die seit den 1890er Jahren einsetzende, von der Politik forcierte Einschränkung der Gewerbefreiheit für den Hausierhandel und die Ausdifferenzierung der Polizei mit einer spezifisch auf Zigeuner ausgerichteten Politik verstärkte seit der Jahrhundertwende den Handlungsdruck auf lokaler Ebene. Zigeuner und ‚nach Zigeunerart umherziehende Personen‘, die vor allem über das Ausüben des Wandergewerbes identifiziert wurden, sollten den...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.