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KATHARINAfeier

Kritisch-theologisch-feministisch- Eine Nachlese

Series:

Anna Steinpatz, Silvia Arzt and Dominik Elmer

Der vorliegende Sammelband ist eine Zusammenstellung nahezu aller Vorträge, die im Rahmen der KATHARINAfeier an der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg seit Beginn der Veranstaltung gehalten wurden. Die Vorträge stammen aus unterschiedlichen theologischen und philosophischen Disziplinen, sind jedoch alle verbunden durch einen kritisch-feministischen Ansatz. Zusätzlich zu dieser Zusammenschau enthält das Buch einen Artikel über die Entstehungsgeschichte der KATHARINAfeier sowie über die in den letzten Jahren verstärkte Verbindung mit unterschiedlichen künstlerischen Gestaltungen.
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Feuer und Blut: Caterina von Siena (1347–1380)

I.   Caterinas Leben in den Wehen des 14. Jahrhunderts

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1

An Caterina „heranzukommen“, gar mit ihr vertraut zu werden, ist nicht ohne Fußangeln. Seit die Analphabetin und im heimatlichen Dialekt sprechende Färberstochter 1970 zur Kirchenlehrerin erhoben wurde, wird zwar noch mehr als zuvor, in den verschiedensten Geisteswissenschaften, über sie geschrieben – Abträgliches, Spöttisches und Verehrendes – sie scheint eine Art Brennpunkt im Drama des 14. Jahrhunderts zu bilden, in seiner Faszination und Wildheit gleichermaßen. Was an Caterina schnell und stark berührt, ist das allen Rahmen sprengende Leben: Fast alles an ihr ist ungewöhnlich. Aber in dem Ungewohnten stecken Anziehung und Befremdung. Caterina gehört dem endenden Spätmittelalter an; ihre Art zu leben und mit Gott umzugehen, ist heute auf bestürzende Weise fern: ihre heftigen, den ganzen Leib fordernden Visionen, ihre Theologie des Blutes, ihre Sinnlichkeit auch im Geistigen. Auf der anderen Seite stehen Charme und Charisma unmittelbarer Anziehung, seltener ungebrochener Identität auch als Frau, eine ursprüngliche Theologie nicht aus Studium, sondern aus Eingebung. Oft lässt sich auf Anhieb auch schwer unterscheiden, ob diese Einheit von Mystik und Politik, von Inspiration und Leib, von Gottes- und Weltliebe heutig oder vorgestrig ist – um nur erst ein Gefühl, keineswegs ein Urteil aufzurufen. Auf der Suche nach ihrer Kontur muss daher an erster Stelle diese Fremdheit auftauchen, sonst ist der sechshundertjährige Abstand über die gesamte Neuzeit hinweg – die ja selbst ihrem Ende zugeht – nicht ernstgenommen. Zu schnelle Identifikation mit Caterina enthebt in Wirklichkeit von der Anstrengung, einen bis heute...

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