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Rettung vor Bodenlosigkeit

Neues Anfangsdenken und kosmologische Metaphern bei Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul

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Monika Tokarzewska

Monika Tokarzewska zeigt, wie Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul Motive aus der nachkopernikanischen und newtonschen Astronomie in Schlüsselmetaphern verwandeln und mit ihrer Hilfe die Möglichkeiten eines neuen Grundlagendenkens und -handelns im Angesicht der Verwissenschaftlichung des Weltbildes an der Schwelle zur Moderne austaxieren. Die Autorin beschreibt auch die starken Veränderungen, denen das Metaphernnetz unterlag. So fand es im 20. und 21. Jahrhundert einen späten Niederschlag in den Überlegungen von Hannah Arendt und Bruno Latour.
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Die Geburt der Freiheit aus dem Geiste der „Newtonischen Anziehung“ bei Kant

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In dem Artikel „Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philo-sophie”, der in der „Berlinischen Monatsschrift‘ 1796 erschien, gibt Kant einen Überblick über den Zustand der zeitgenössischen Philosophie. Es ist zugleich auch Rückblick eines Denkers, der die entscheidenden Wenden und Werke seiner intellektuellen Biographie bereits hinter sich gebracht hat. In diesem Artikel findet sich folgende Reinterpretation der Anekdote vom, archimedischen Punkt':

Hier ist nun das, was Archimedes bedurfte, aber nicht fand: ein fester Punkt, woran die Vernunft ihren Hebel ansetzen kann, und zwar, ohne ihn weder an die gegenwärtige, noch eine künftige Welt, sondern bloß an ihre innere Idee der Freiheit, die durch das, unerschütterliche’ moralische Gesetz als sichere Grundlage darliegt, anzulegen, um den menschlichen Willen selbst beim Widerstande der ganzen Natur durch ihre Grundsätze zu bewegen.232

Diese Metapher ist an dieser Stelle kein heuristisches Tappen nach einem neuen Gedanken; sie ist ein Punkt, der mit allem Nachdruck nach einer These gesetzt wird.233Kant bedient sich der Archimedes-Anekdote, weil sie für das ← 113 | 114 → Lesepublikum als etwas Bekanntes vorausgesetzt werden kann. Es fällt auf, wie hier nahezu kategorisch behauptet wird, dass es einen solchen,Punkt’ gäbe, den Archimedes nicht fand. Jetzt sei aber dieser Punkt tatsächlich gefunden worden. Die Passage erzählt von einer „sicheren Grundlage‘ und einem „unerschütterlichen Gesetz”, was recht pathetisch klingt. An Kants archimedischer Metapher ist jedoch - wie es sich bei wiederholtem Blick auf den Text erweist - der Aspekt der...

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