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Rettung vor Bodenlosigkeit

Neues Anfangsdenken und kosmologische Metaphern bei Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul

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Monika Tokarzewska

Monika Tokarzewska zeigt, wie Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul Motive aus der nachkopernikanischen und newtonschen Astronomie in Schlüsselmetaphern verwandeln und mit ihrer Hilfe die Möglichkeiten eines neuen Grundlagendenkens und -handelns im Angesicht der Verwissenschaftlichung des Weltbildes an der Schwelle zur Moderne austaxieren. Die Autorin beschreibt auch die starken Veränderungen, denen das Metaphernnetz unterlag. So fand es im 20. und 21. Jahrhundert einen späten Niederschlag in den Überlegungen von Hannah Arendt und Bruno Latour.
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„.. .so sei uns die Vernunft oder das lichte Ich keine selbstschaffende ziehende Sonne“: Jean Pauls Sehnsucht nach dem Vorkopernikanismus

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Fichte hat sein auf Ich gestütztes oder, anders gesagt, am Nichts hängendes Weltgebäude unermüdlich und mit Enthusiasmus als wahren Aufbruch ins Neue verkündet. Zwar fehlte es nicht an Skeptikern, die–wie etwa Niethammer–Vorbehalte gegenüber den Versuchen äußerten, alles auf einen einzigen Grundsatz zu stellen, doch keiner ist Fichte mit so gründlicher Skepsis begegnet wie Jean Paul. Vielleicht vermochte er gerade deshalb, dass er philosophisch gebildet war, sich aber als Romancier verstand, Fichtes Denken einen Spiegel vorzuhalten, der die andere, sehr dunkle Seite dieses Denkens mit aller Deutlichkeit zeigt. Jean Paul arbeitet mit und in der Sprache; er nimmt Fichtes Motive, dessen charakteristische Stilkonstrukte und Wendungen auf und setzt sie bis zum Äußersten fort, so dass eine zweite Ebene dieser Sprache ans Licht kommt.

Das Fichtesche Ich ist mit einem Potential zur Unendlichkeit ausgestattet. Was Fichte als unendliche emanzipatorische kosmische Odyssee des Ich vorschwebte, erkannte Jean Paul als Gefahr eines unendlichen Solipsismus. Wenn das Ich das Universum erobert, so dass kein Raum, auch nicht im entferntesten Winkel des Alls, leer bleiben wird, dann wird es in absoluter Einsamkeit die Unendlichkeiten ausfüllen und sich nur noch in sich selbst bespiegeln. Die Visualisierungen einer solchen Gefahr finden in Jean Pauls Prosa in einer Reihe kosmologischer Bilder ihren Niederschlag.

Jean Paul war philosophisch und naturwissenschaftlich überaus interessiert. Die Präsenz von kosmologischen und astronomischen Motiven in seiner Prosa ist in der Forschung mehrmals thematisiert worden; der Gebrauch solcher Me-taphern...

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