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Rettung vor Bodenlosigkeit

Neues Anfangsdenken und kosmologische Metaphern bei Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul

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Monika Tokarzewska

Monika Tokarzewska zeigt, wie Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul Motive aus der nachkopernikanischen und newtonschen Astronomie in Schlüsselmetaphern verwandeln und mit ihrer Hilfe die Möglichkeiten eines neuen Grundlagendenkens und -handelns im Angesicht der Verwissenschaftlichung des Weltbildes an der Schwelle zur Moderne austaxieren. Die Autorin beschreibt auch die starken Veränderungen, denen das Metaphernnetz unterlag. So fand es im 20. und 21. Jahrhundert einen späten Niederschlag in den Überlegungen von Hannah Arendt und Bruno Latour.
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Friedrich von Hardenbergs „moralische Astronomie”

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Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis, gilt unter den deutschen romantischen Dichtern als derjenige, der sich ganz besonders für die Wissenschaften interessierte.572 Bei dem Thema ,Novalis und die Wissenschaften wird zumeist ← 247 | 248 → folgende Notiz aus den zu Lebzeiten des Dichters nicht veröffentlichten, als „Hemsterhuis-Studien“ bekannten Manuskripten zitiert:

Die Wissenschaften sind nur aus Mangel an Genie und Scharfsinn getrennt –die Verhältnisse zwischen ihnen sind dem Verstand und Stumpfsinn zu verwickelt und entfernt von einander.Die größesten Wahrheiten unserer Tage verdanken wir solchen Combinationen der lange getrennten Glieder der Totalwissenschaft.573

Diese Notiz wird auf das Jahr 1797 datiert. In ihr ist ein gewisses Unbehagen an der –in der Überzeugung von Novalis –künstlichen Trennung der einzelnen Wissenschaftszweige voneinander deutlich zu spüren. Zugleich gibt Novalis seiner tiefen Hoffnung Ausdruck, dass dieser Zustand nur eine Folge der Unzulänglichkeiten des zeitgenössischen Denkens und somit vorübergehend sei. Der Weg dazu seien Bildung und Übung im Scharfsinn, der Mut zum Experimentieren und zur Grenzenüberschreitung. Schon jetzt würden die wichtigsten Entdeckungen gerade einer Kombinatorik von verschiedenen Wissensgebieten bzw. -methoden entspringen, weil man damit die künstliche Trennung wenigstens punktuell aufzuheben vermöge.

Dieser Sicht der Situation in den Wissenschaften liegt die Überzeugung zugrunde, die Novalis mit vielen Zeitgenossen teilte: die Natur sei in ihrem tiefsten und grundlegendsten Wesen eine Einheit, die nur an der Oberfläche, in der Vielzahl ihrer Phänomene und Ausdifferenzierungen, unterschiedlich und getrennt erscheint.574 Allerdings wird gerade in Bezug...

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