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Gesprochene Sprache in der philologischen Sprachausbildung

Theoretische Grundlagen – Empirische Befunde – Exemplarische Anwendungen

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Magdalena Thien

Dieses Buch ist ein Beitrag zu den intensiv geführten Diskussionen über die Beschreibung des Gegenstandsbereichs Sprache für den Fremdsprachenunterricht. Seit der Jahrtausendwende mehren sich seitens der didaktisch interessierten Sprachforschung im In- und Ausland verstärkt Stimmen, welche die ausschließliche Ausrichtung des DaF-Unterrichts an der Schriftsprache bezweifeln. Sie fordern die Fachgemeinschaft zu Überlegungen auf, welche Normen und Varietäten der deutschen Sprache in den unterschiedlichen Vermittlungskontexten von Sprache einzubeziehen sind. Die Autorin möchte die Relevanz der Vermittlung gesprochener Sprache im germanistischen Sprachunterricht herausstellen und damit eine breite Diskussion über theoretische und methodische Grundsatzfragen der Übertragung der linguistischen Erkenntnisse in die philologische Sprachpraxis entfachen wie auch eine Debatte über das Design der philologischen Sprachausbildung anregen.
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3. Gesprochene Sprache – Versuch einer Annäherung an ein komplexes Gegenstandsfeld

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3.  Gesprochene Sprache – Versuch einer Annäherung an ein komplexes Gegenstandsfeld

Da das methodische Grundprinzip der Sprachwissenschaft bis in die 1960er- Jahre auf einer idealisierenden Homogenitätsannahme beruhte, der zufolge alle Sprecher eines Systems dieselben sprachlichen Oppositionen realisieren und erkennen138, konnten die kontextbedingten, registerbedingten, funktional und regional bedingten Sprachvarietäten und damit die tatsächliche Heterogenität von Sprache nicht erkannt und folglich im Sprachunterricht nicht vermittelt werden. Mit der Verbreitung des Tonbands und damit der Möglichkeit der Aufzeichnung gesprochener Alltagsrede und der Untersuchung ihrer sprachlichen Merkmale konnten zwar allmählich Erkenntnisse gewonnen werden, die uns Sprache, Sprechen und mündliche Kommunikation differenzierter und wirklichkeitsnaher betrachten lassen. Ihre Rezeption von der muttersprachlichen und fremdsprachlichen Didaktik war und ist immer noch jedoch insofern erschwert, als sie wegen der noch nicht abgeschlossenen Ausarbeitung von Beschreibungskategorien wie auch der fehlenden Systematik keine handhabbare Alternative zu der im Unterricht einfach zu vermittelnden Konzeptualisierung von Sprache als Sprachsystem anbieten können. Da Sprache als Sprachsystem aber immer nur ein wissenschaftliches Konstrukt, eine idealtypische Reduktion ist, die durch Abstraktion von den einzelnen Sprach- bzw. Sprechereignissen hervorgebracht wird (so Bär 2000: 10), kann ein Unterricht, der sie zur Grundlage hat und folglich nur eine homogene deutsche Standard- und Schriftsprache vermittelt, die Dynamik, Varianz und Vielgestaltigkeit von Sprache seinen Lernenden nicht vermitteln.

So wird in den linguistischen und didaktischen Fachdiskussionen der letzten Jahre häufig der Umstand beklagt, dass die Wirklichkeit des mutter- wie auch fremdsprachlichen Unterrichts ebenso wie die Lehrwerkproduktion trotz...

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