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Gegen Staat und Kapital – für die Revolution!

Linksextremismus in Deutschland – eine empirische Studie

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Klaus Schroeder and Monika Deutz-Schroeder

Das Buch zeichnet ein differenziertes Bild vom aktuellen Linksextremismus in Deutschland. Die Autoren werfen einen kritischen Blick auf den Forschungsstand, beschreiben die Geschichte des Linksextremismus und entwickeln auf Basis der Selbstdarstellungen typischer linksextremer Gruppen eine Skala, die die verschiedenen Dimensionen eines linksextremen Einstellungsmusters umfasst. Auf dieser Grundlage führte Infratest dimap eine repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung durch, die die weite Verbreitung linksextremer Einstellungen in der Bevölkerung zeigt. Darüber hinaus erfolgt eine kritische Betrachtung der Diskussion um den Begriff «Extremismus». Der Zusammenhang von (Links-)Extremismus und Gewalt wird ebenso erörtert wie die Realität linksextremen Gewalthandelns. Hinzu kommen Interviews mit ehemaligen Linksradikalen und linksaffinen Jugendlichen.
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IV. Selbstdarstellungen linksextremer Gruppen

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IV.Selbstdarstellungen linksextremer Gruppen

Im Zentrum des folgenden Kapitels stehen die Fragen nach dem Weltbild und den politischen Zielen verschiedener linksextremer Parteien, Gruppierungen und Bündnisse sowie nach den Mitteln, mit denen sie diese erreichen wollen. 322

Die Darstellung orientiert sich an der in der Extremismusforschung üblichen Unterteilung des Linksradikalismus/Linksextremismus in dogmatisch-marxistische und in undogmatisch/autonome Gruppen. Der dogmatisch-marxistischen Strömung werden traditionelle Marxisten zugeordnet, die sich positiv auf die DDR oder die chinesische Kulturrevolution bzw. auf Stalin, Trotzki oder Mao beziehen und meist in Parteien organisiert sind, die an Wahlen teilnehmen. Anders als die Autonomen sind sie darauf bedacht, die Grenzen der formalen Legalität nicht zu überschreiten. Auch die anarchosyndikalistische Gewerkschaft FAU, die die repräsentative Demokratie und die soziale Marktwirtschaft ablehnt, gehört in einem weiteren Sinne hierzu, da sie sich selbst in die Tradition der Arbeiterbewegung stellt.

Im Unterschied hierzu sind die Autonomen „hierarchiefeindlich“. Festgefügte Organisationsformen und Entscheidungsstrukturen lehnen sie ab. Sie verfügen über kein geschlossenes Weltbild oder ein einheitliches ideologisches Konzept. Exemplarisch werden zwei Antifa-Gruppen aus Berlin beschrieben.323

Seit den 1990er Jahren versuchen einzelne autonome Gruppen, sich verbindliche Strukturen zu geben und sich zu organisieren. Die Fachliteratur bezeichnet diese Gruppen zumeist als „postautonom“. Die postautonome Szene ist allerdings nicht homogen. Während AVANTI oder die Interven ← 127 | 128 → tionistische Linke betont undogmatisch auftreten und bündnisorientiert sind, orientieren sich andere postautonome Gruppen stärker an Elementen und Denkfiguren des orthodoxen Marxismus. Vertreter dieser Strömung treten in...

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