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Die Klebebände der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek Arolsen

Wissenstransfer und -transformation in der Frühen Neuzeit

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Marie Isabelle Vogel

Die hier erstmals vorgestellten Klebebände der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek Arolsen fassen in z.T. gewaltigen Folianten über 7.000 montierte Druckgraphiken von großer thematischer Vielfalt – u.a. Portraits, Flugblätter, Bühnenbilder oder Kupferstiche zum Zeitgeschehen. Jeder Band ist ein Unikat und noch heute in seinem ursprünglichen Arrangement erhalten. Der Bestand diente als Instrument zur aktiven Bildung und besaß eine lebenspraktische Bedeutung für Hofhaltung und Hofkultur im frühmodernen Fürstenstaat. Die Abfolge und Ideen des Ein- und Aufgeklebten geben Aufschluss darüber, was Nutzer in dieser Epoche für wissenswert hielten und wie sie sich Wissen über Fragmentierung und Neuordnung verfügbar machten.
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IV. Ergebnisse: Überlegungen zu möglicher Nutzung, Funktion und Funktionalisierung

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IV.Ergebnisse: Überlegungen zu möglicher Nutzung, Funktion und Funktionalisierung

Die Untersuchung der bisher unbekannten Arolser Klebebände beleuchtet den pragmatischen Umgang mit dem Medium Druckgraphik, der Buch und Bild zu einer neuen Einheit erwachsen lässt. Es konnte gezeigt werden, dass Klebebände – ganz im Gegensatz zu einer losen Aufbewahrung von Graphikbeständen als Einzelblätter oder in Graphikmappen – Sammelalben sind, deren Einzelobjekte unterschiedlichen Kontexten entstammen und durch die Montage in das gebundene Buch gezielt miteinander in Kontakt gebracht werden, um neue Wissensverbünde zu gestalten. Die Klebebände nehmen Inhalte – im Unterschied zum Buch, dem sein Informationsgehalt vorgegeben ist – über ihre Blanko-Seiten sukzessive auf. Zahlreiche druckgraphische Erzeugnisse – für sich genommen gerade die weniger spektakulären Stücke – erscheinen in der Kombination höchst eindrucksvoll. Denn das ‚Recycling‘ von Büchern und Bildern, d. h. die Montage einzelner „Wissensstücke“628 zu einem „Wissenskorpus“629 lässt unikale Bildernetzwerke entstehen.

‚Anschauung‘ behauptet in dieser Untersuchung einen deutlich höheren Erkenntniswert als ‚Text‘. Dabei ist der Arrangeur der Bilder nicht der Produzent der Einzelobjekte. Er ist ‚Zusammensteller‘, gleichsam ein Räuber (Compilator), dessen Aufgaben das Kompilieren allerdings übersteigen (Kap. II, 3). Seine Selektion der Medien impliziert, die Strukturen einzelner Verbünde aufzubrechen, Inhalte auszuwählen und Aussagen auszusparen, indem er Texte meist großzügig entfernt (Kap. III, 4). Er enthebt ausgewählte Bilder ihrer Kontexte, um aus „vormals unverbundenen Teilen“ neue Einheiten zusammenzuführen, „welche sich nunmehr sinnvoll aufeinander beziehen“630. „Die Schere [ist] ein...

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