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Traditionsbrüche

Neue Forschungsansätze zu Hermann Bahr

Series:

Edited By Tomislav Zelić

Fachleute aus den Bereichen der Germanistik und Komparatistik verfolgen in diesem Sammelband neue Forschungsansätze zu Hermann Bahr. Sie untersuchen Diskurse über Kaiserreich und Königtum, Krise und Kritik, Kairos und Katastrophe, Krieg und Kultur in den Essays und Reiseberichten, Zeitungsartikeln und Tagebüchern, aber auch Romanen und anderen Schriften eines Hauptvertreters der Wiener Moderne. Es werden kulturtheoretische Fragen nach der Konstitution und Konstruktion von Identität und dem Zulassen von Differenz gestellt – sowie nach den Konversionen der Weltanschauungen, Ideologien und Religionen vom Provinzialismus und Kosmopolitismus über Nationalismus, Militarismus und Imperialismus zu Katholizismus und Antisemitismus, Austroslawismus, Austromarxismus und Austro-Europäertum.
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Hermann Bahrs Dalmatinische Reise aus textgenetischer Sicht

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Hermann Bahrs im Oktober 1909 im renommierten S. Fischer-Verlag erschienene Dalmatinische Reise1 zählt zweifellos zu den meistrezipierten und meistzitierten Texten der Wiener Moderne hinsichtlich der Rezeption der Südslawen innerhalb der k.u.k. Monarchie. Gerade unter einer kulturwissenschaftlichen Perspektive wird der Text immer wieder bemüht und reinterpretiert, etwa wenn es um Fragestellungen von Zentrum und Peripherie, des Kulturtransfers, des ‚Anderen‘ geht. Auffallend ist freilich, dass die Genese des Textes sowie die Zeugnisse im Nachlass dabei meist unberücksichtigt bleiben. Dies ist insofern bedauerlich als mehrere Dokumente in Bahrs Nachlass einen Einblick in die Verfertigung des Textes geben: Bahrs Vorbereitungen, Zielsetzungen, spezifische Lektüren, verwendete Materialien. Dieser – sozusagen – Blick hinter die Kulissen der Dalmatinischen Reise versteht sich aber keineswegs als Selbstzweck, sondern soll im Folgenden eine neue Sicht auf Bahrs Rezeption des südslawischen Raumes ermöglichen und zugleich ein Erklärungsmodell für die auffallende Heterogenität der Dalmatinischen Reise anbieten. Zugleich soll das harmonisierende Bild des „Freund[es] der Slaven, besonders der Südslaven“2 einer kritischen Revision unterzogen werden.

Ein gemeinsames Kennzeichen sowohl des Buches Dalmatinische Reise wie auch des im Nachlass hierzu vorhandenen Materials sind Heterogenität und Fragmentcharakter. Bei den archivalischen Quellen handelt es sich – sieht man einmal von den Korrespondenzen ab – um drei umfangreichere Manuskript-Konvolute: Zum einen ein 56 Blatt umfassendes Konvolut in einem Kuvert.3 Dieses wurde von Hermann Bahr eigenhändig beschriftet mit „Notizen zur ‚Dalmatinischen Fahrt‘“ und dem Vermerk „beendet 27.4.09“. Zum anderen jene Abschnitte, vier Blatt, aus...

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