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Traditionsbrüche

Neue Forschungsansätze zu Hermann Bahr

Series:

Edited By Tomislav Zelić

Fachleute aus den Bereichen der Germanistik und Komparatistik verfolgen in diesem Sammelband neue Forschungsansätze zu Hermann Bahr. Sie untersuchen Diskurse über Kaiserreich und Königtum, Krise und Kritik, Kairos und Katastrophe, Krieg und Kultur in den Essays und Reiseberichten, Zeitungsartikeln und Tagebüchern, aber auch Romanen und anderen Schriften eines Hauptvertreters der Wiener Moderne. Es werden kulturtheoretische Fragen nach der Konstitution und Konstruktion von Identität und dem Zulassen von Differenz gestellt – sowie nach den Konversionen der Weltanschauungen, Ideologien und Religionen vom Provinzialismus und Kosmopolitismus über Nationalismus, Militarismus und Imperialismus zu Katholizismus und Antisemitismus, Austroslawismus, Austromarxismus und Austro-Europäertum.
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Das erschöpfte Bürgertum. Die soziale Dimension der Décadence

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1.

Hermann Bahr verkörpert wie kaum ein anderer Autor die literarische und klassische Moderne um 1900. Sein modernekritisches Denken, das sich selbst um einen Begriff der Moderne bemüht, ist zugleich der signifikanteste Ausdruck für das, was wir heute als Moderne bezeichnen.1 Denn an diesem Denken wird eines deutlich, was vorab als Ausgangsthese verdichtet werden soll: Die Moderne, und insbesondere die literarische Moderne um 1900, ist durch das gekennzeichnet, was als völlig neues Problem erstmals zu dieser Zeit auftaucht, nämlich ein Pluralismusproblem, das in dieser Form und in dieser Intensität im 19. Jh. noch nicht aufgetreten und noch nicht einmal spürbar war. Weder in der Fremd- noch in der Selbstbeschreibung, weder in der literarhistorischen Aufarbeitung noch in der zeitgenössischen Kritik ist dasjenige, was als modern oder als Moderne wahrgenommen, empfunden, kategorisiert und beschrieben wird, auf ein einheitliches Prinzip zurückzuführen. Ganz im Gegenteil: viele Prinzipien, viele Muster, viele Begriffe, viele Ismen, die nicht mehr als Einheit begriffen oder auch nur unter einem Dach zusammengefasst werden können, koexistieren und konkurrieren und kartographieren zu dieser Zeit ein uneinheitliches Gebiet.2 Ablesbar ist dieses Problem an den vielen sogenannten Epochenbegriffen, die für die Zeit um und ab 1900 zur Verfügung stehen und die nahezu allesamt in den Titeln der modernekritischen Schriften von Hermann Bahr auftauchen, wie Naturalismus, Impressionismus, neue Romantik oder Neuromantik, Symbolismus, später auch Expressionismus, und natürlich auch immer wieder Décandence. Hermann Bahrs modernekritische Schriften...

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